Was WLAN-Richtfunk ist
Eine Richtfunkstrecke besteht aus zwei Geräten mit gebündelter Antenne, die aufeinander ausgerichtet sind. Sie ersetzt ein Netzwerkkabel zwischen zwei Gebäuden und überträgt jede Art von IP-Verkehr: Internet, Telefon, Kamerabilder oder den Zugriff auf einen Dateiserver. Solche Geräte sind im Handel für wenige hundert Euro zu haben und werden sonst etwa genutzt, um Nebengebäude oder Betriebsgelände anzubinden.
Technisch ist das dasselbe wie HAMNET, nur auf Frequenzen, die jeder nutzen darf. Das macht den Unterschied: Eine Gemeinde, ihre IT oder die Feuerwehr kann solche Strecken ohne Funkamateure betreiben, und über sie darf jeder Verkehr laufen, auch Internet für Bürger und verschlüsselte Daten.
Die Regeln
Die Bundesnetzagentur hat die Frequenzen per Allgemeinzuteilung freigegeben. Es braucht weder Antrag noch Gebühren. In ihrer Übersicht zu WLAN schreibt sie ausdrücklich: „Mit WLAN-Funkverbindungen dürfen verschiedene Grundstücke miteinander verbunden werden.“ Entscheidend ist die höchstzulässige Strahlungsleistung, gemessen als EIRP, also einschließlich des Antennengewinns.
| Frequenzbereich | Höchstens (EIRP) | Im Freien | Eignung für Strecken |
|---|---|---|---|
| 2,400–2,4835 GHz | 100 mW | erlaubt | kurze Strecken, Band meist stark belegt |
| 5,250–5,350 GHz | 200 mW | verboten | nicht für Außenstrecken |
| 5,470–5,725 GHz | 1 W, mit Radarerkennung und Leistungsregelung | erlaubt | der Standard für Strecken über einige Kilometer |
| 57–71 GHz | 10 W, feste Außenanlagen mit Antennengewinn ab 30 dBi bis 316 W | erlaubt | sehr hohe Datenrate auf kurzen Strecken |
Im Bereich 5,470–5,725 GHz müssen die Geräte Radar erkennen und dann den Kanal wechseln. Die Strecke kann dabei kurz unterbrochen sein. Handelsübliche Geräte erledigen das selbst, sofern sie nicht verändert werden. Die Grenzwerte gelten für die Anlage als Ganzes: Wer eine größere Antenne anschraubt, muss die Sendeleistung entsprechend senken.
Reichweite
Richtfunk braucht freie Sicht zwischen den Antennen, und zwar nicht nur die gerade Linie, sondern einen Raum um sie herum. Bäume, Dächer und Gelände in diesem Raum dämpfen das Signal stark. Deshalb gehören die Antennen hoch, etwa an einen Mast, einen Turm oder auf das Dach.
- Im 5-GHz-Band tragen Strecken mit Richtantennen an beiden Enden bei freier Sicht einige Kilometer, gut geplant zehn Kilometer und mehr.
- Im 60-GHz-Band ist die Datenrate sehr hoch, die Reichweite aber kurz, und Regen dämpft das Signal deutlich. Das passt für Strecken im Ort, etwa zwischen Rathaus und Nachbargebäude.
- Wo keine Sicht besteht, hilft ein Zwischenstandort, etwa ein Kirch- oder Feuerwehrturm, der die Strecke weiterreicht.
Wofür es sich im Ereignis eignet
Die typische Anwendung ist, einen vorhandenen Zugang zu verteilen. Steht im Rathaus ein Starlink- oder OneWeb-Terminal, reichen Richtfunkstrecken dessen Internet an Anlaufstellen und Feuerwehrhäuser weiter. Ein Terminal genügt dann für mehrere Standorte. Ebenso verbinden sie Einsatzleitung und Rathaus mit einem gemeinsamen Dateiserver, einer Lagekarte oder einer Telefonanlage, ganz ohne Betreiber dazwischen.
- Bürger und Anlaufstelle
- Die Anlaufstelle bekommt Internet und Telefon vom zentralen Terminal, Bürger nutzen dort ein WLAN, um Angehörige zu erreichen.
- Örtliche Führung
- Einsatzleitung, Rathaus, Feuerwehrhäuser und Anlaufstellen teilen ein Netz über einige Kilometer, mit hoher Datenrate und ohne Zuteilung.
- Kreis
- Einzelne Strecken zu einem Standort mit freier Sicht, etwa vom Stab zur Leitstelle. Für das ganze Kreisgebiet braucht es viele Zwischenstandorte, dafür ist ein geplantes Netz wie HAMNET besser geeignet.
Die Einstufung aller Techniken steht im Vergleich nach Ebenen.
Was bei Ausfall passiert
Eine Richtfunkstrecke hängt an keiner fremden Infrastruktur. Sie braucht nur Strom an beiden Enden, und davon wenig: Die Geräte werden meist über das Netzwerkkabel versorgt und nehmen einige Watt auf. Ein Akku oder die Notstromversorgung des Gebäudes reicht. Was über die Strecke läuft, hängt allerdings an dem, was an ihren Enden steht: Fällt das Satellitenterminal aus, haben auch die angebundenen Standorte kein Internet mehr, das Netz zwischen ihnen bleibt aber bestehen.
Grenzen im Ereignis
- Nicht spontan aufzubauen
- Eine Strecke über Kilometer verlangt geeignete Standorte, Halterungen und genaues Ausrichten. Im Ereignis gelingt das nur, wenn Standorte, Geräte und Konfiguration vorher festgelegt und getestet sind.
- Geteilte Frequenzen
- Die Bänder nutzt jeder. In Orten mit vielen WLAN-Anlagen kann es Störungen geben, und bei Radarerkennung wechselt der Kanal.
- Kein Funkgerät für Menschen
- Richtfunk verbindet feste Standorte. Wer unterwegs ist, erreicht darüber niemanden. Sprechfunk im Einsatzabschnitt ersetzt er nicht.
- Absichern
- Die Strecke gehört verschlüsselt und das Netz dahinter abgesichert, erst recht, wenn Bürger an der Anlaufstelle dasselbe WLAN nutzen. Anders als im Amateurfunk ist Verschlüsselung hier erlaubt.
Was vor dem Ereignis erledigt sein muss
- Strecken planen
- Standorte festlegen, Sicht prüfen, Zwischenstandorte vorsehen und die Strecken dokumentieren.
- Fest montieren oder vorkonfigurieren
- Am besten hängen die Geräte dauerhaft und laufen im Alltag mit. Sonst liegen sie vorkonfiguriert mit Halterung, Kabel und Kurzanleitung bereit.
- Strom sichern
- Beide Enden hängen an der Notstromversorgung des Gebäudes oder an einem eigenen Akku.
- Mit Satelliteninternet üben
- Das Zusammenspiel von Terminal, Richtfunk und WLAN an der Anlaufstelle wird im Ganzen getestet, nicht nur jedes Teil für sich.
Einordnung
Lizenzfreier WLAN-Richtfunk ist das unscheinbare Bindeglied im örtlichen Kommunikationsplan. Er bringt einen Internetzugang an mehrere Standorte und verbindet Einsatzleitung, Rathaus und Anlaufstellen mit hoher Datenrate, ohne Zuteilung und ohne Amateurfunkprüfung. Vorbereitet werden muss er wie jede feste Infrastruktur: Wer erst im Ereignis Standorte sucht, baut keine Strecke mehr auf.
Was ein eigener Test messen sollte
- Datenrate und Stabilität der Strecke über mehrere Tage, auch bei Regen
- Unterbrechungen durch Kanalwechsel nach Radarerkennung
- Leistungsaufnahme beider Geräte
- Telefonat und Internetzugang an der Anlaufstelle über Richtfunk und Satellitenterminal
- Zeit zum Wiederaufbau einer Strecke mit vorkonfigurierten Geräten