Was Packet Radio ist
Packet Radio überträgt Daten in kleinen Paketen nach dem Protokoll AX.25. Jedes Paket trägt Absender, Empfänger und eine Prüfsumme. Kommt ein Paket fehlerhaft an, wird es wiederholt. So erreicht ein Text den Empfänger vollständig oder gar nicht, aber nicht verstümmelt.
- Station
- Ein FM-Funkgerät und ein TNC, also ein kleines Modem, oder ein Rechner, der die Aufgabe des Modems in Software übernimmt.
- Digipeater
- Eine feste Station an einem hohen Standort, die Pakete weiterreicht. Digipeater sind untereinander verbunden und bilden so ein Netz über das Kreisgebiet und darüber hinaus.
- Mailbox
- Ein Rechner im Netz, der Nachrichten speichert, bis der Empfänger sie abholt, verbreitet sind etwa OpenBCM und LinBPQ. Der Empfänger muss also nicht zur selben Zeit auf Empfang sein wie der Absender.
Datenrate
Die meisten Nutzerzugänge arbeiten mit 1200 Baud. Dafür genügt jedes FM-Funkgerät. Mit 9600 Baud geht es schneller, dafür braucht es Funkgeräte mit passendem Datenanschluss. Nutzbar bleiben je nach Belegung einige hundert Bit/s bis wenige kbit/s. Alle Stationen, die denselben Zugang nutzen, teilen sich diese Rate. Für Texte und Formulare reicht das, für Bilder und Anhänge nicht.
Schneller ist VARA FM, ein neueres Modem, das ebenfalls über gewöhnliche FM-Funkgeräte arbeitet und laut Winlink inzwischen auch über bis zu zwei Digipeater weitergereicht werden kann. Es wird vor allem als Zugang zu Winlink genutzt.
Das Netz heute
Packet Radio war in den 1990er-Jahren weit verbreitet und ist dann stark geschrumpft. Seit einigen Jahren wächst es wieder, weil sich Digipeater über HAMNET neu verbinden lassen, wie der ÖVSV-Landesverband Tirol beschreibt. Die Verbindungen zwischen den Digipeatern laufen heute oft über HAMNET-Strecken im 6-cm-Band oder über das Internet, nicht mehr über eigene Packet-Funkstrecken. Ein Beispiel dokumentiert der Standort DB0FZ: Dort ist die Mailbox über das HAMNET an den Digipeater angebunden. Nutzerzugänge liegen traditionell auf 70 cm, einige auch auf 23 cm.
Für den Katastrophenschutz heißt das: Ob ein Digipeater im Ereignis noch mit dem nächsten verbunden ist, hängt davon ab, wie diese Verbindung läuft. Eine Funkstrecke über HAMNET mit Notstrom an beiden Enden bleibt bestehen, eine Verbindung über das Internet nicht.
Was bei Ausfall passiert
- Internet fällt aus
- Das Netz zerfällt in Inseln. Innerhalb einer Insel, also zwischen Digipeatern mit Funkverbindung untereinander, funktioniert Packet Radio weiter, ebenso die Mailbox in dieser Insel.
- Strom fällt aus
- Jeder Digipeater und die Mailbox brauchen eigenen Notstrom. Ein einziger Digipeater ohne Strom trennt alle Stationen hinter ihm ab.
- Direktverbindung
- Zwei Stationen in Funkreichweite verbinden sich auch ganz ohne Digipeater. Die Reichweite ist dann die des Direktverkehrs.
Packet Radio, APRS und Winlink
Die drei Verfahren teilen sich Technik, erfüllen aber verschiedene Aufgaben.
- APRS
- Nutzt ebenfalls AX.25, sendet aber ohne Verbindungsaufbau an alle. Das eignet sich für Positionen und kurze Status, nicht für gesicherte Nachrichten.
- Winlink
- Nutzt Packet Radio oder VARA FM als Zugang auf UKW. Die Nachricht landet dann nicht in einer lokalen Mailbox, sondern im Winlink-System, im Normalbetrieb über das Internet.
- Packet-Mailbox
- Speichert Nachrichten im eigenen Netz. Solange die Mailbox im Kreisgebiet steht und Notstrom hat, bleibt sie im Ereignis erreichbar, unabhängig vom Internet.
Einsatzbereiche nach Ebene
- Örtliche Führung
- Direkt oder über einen Digipeater, wenn Texte schriftlich ankommen sollen. Für die meisten Absprachen im Ort ist Sprechfunk einfacher.
- Kreis
- Die Stärke von Packet Radio: Gemeinden legen Meldungen in einer Mailbox im Kreisgebiet ab, der Stab holt sie ab, wenn er Zeit hat. Voraussetzung sind Digipeater mit Notstrom und Funkverbindungen untereinander.
- Kreis und Land
- Nur, wo Digipeater durchgehend per Funk verbunden sind. Das ist heute selten der Fall.
Die Einstufung aller Techniken steht im Vergleich nach Ebenen.
Grenzen im Ereignis
- Geteilter Kanal
- Alle Stationen an einem Digipeater teilen sich eine Frequenz. Hören sich zwei Stationen gegenseitig nicht, senden sie gleichzeitig, und beide Pakete gehen verloren. Bei vielen Stationen sinkt die Rate für jede einzelne deutlich.
- Wenige aktive Nutzer
- Wer Packet Radio im Ereignis nutzen will, braucht eingerichtete Stationen und Übung. Beides fehlt in vielen Ortsverbänden.
- Unklare Netzwege
- Von außen ist nicht zu sehen, ob eine Verbindung zwischen zwei Digipeatern per Funk oder über das Internet läuft. Das muss vor dem Ereignis geklärt sein.
- Amateurfunkregeln
- Inhalte dürfen nicht verschlüsselt sein und sind in der Mailbox für andere Funkamateure lesbar. Siehe Rechtslage.
Was vor dem Ereignis erledigt sein muss
- Netzwege prüfen
- Mit den Betreibern klären, welche Digipeater im Kreis per Funk verbunden sind, welche über das Internet und welche Notstrom haben.
- Mailbox im Kreisgebiet
- Eine Mailbox mit Notstrom im Kreisgebiet festlegen, dazu Rubriken oder Postfächer für den Stab und die Gemeinden.
- Stationen einrichten
- Jede beteiligte Stelle hat eine eingerichtete Station mit Kurzanleitung. Die Verbindung zur Mailbox ist getestet.
Einordnung
Packet Radio ist altbewährt und bietet, was NBEMS fehlt: eine Mailbox, in der Nachrichten liegen bleiben, bis sie abgeholt werden. Im Kreisgebiet kann es ohne Internet arbeiten, wenn die Digipeater per Funk verbunden sind und Notstrom haben. Genau das ist heute die Schwachstelle, denn viele Verbindungen laufen über das Internet. Wer Packet Radio einplant, prüft zuerst die Netzwege.
Was ein eigener Test messen sollte
- Welche Digipeater im Kreis bei getrenntem Internet noch untereinander erreichbar sind
- Zeit vom Aufbau bis zur ersten in der Mailbox abgelegten Nachricht
- Übertragungsdauer eines typischen Lageberichts mit 1200 und 9600 Baud
- Verhalten bei mehreren Stationen gleichzeitig am selben Digipeater
- Laufzeit von Digipeater und Mailbox auf Notstrom