Weitere Funkverfahren und ihre Grenzen

Neben den bewerteten Techniken gibt es viele weitere Verfahren. Die meisten scheitern an wenigen, immer gleichen Gründen: Sie hängen am Internet, es gibt kaum Gegenstationen, die Ausbreitung ist Zufall, sie sichern Nachrichten nicht ab oder sie reichen zu kurz.

Die Techniken, die im Katastrophenschutz funktionieren, stehen im Vergleich nach Ebenen. Diese Seite nennt Verfahren, die dort bewusst fehlen, gegliedert nach dem Grund. Dieselben Gründe schließen auch Verfahren aus, die hier nicht aufgeführt sind.

Hängt am Internet

Ein Rückfallweg muss funktionieren, wenn Internet und Mobilfunk ausfallen. Was im Hintergrund darauf angewiesen ist, fällt im Ereignis mit aus, auch wenn es im Alltag per Funk arbeitet.

EchoLink, AllStarLink, IRLP
Verbinden Relais und Funkamateure über das Internet. Ohne Internet bleibt nur das lokale Relais.
LoRaWAN, etwa The Things Network
Die Gateways leiten Daten über das Internet an Server weiter. Anders als bei MeshCore und Meshtastic gibt es keinen Weg von Knoten zu Knoten.

Zu wenige Gegenstationen

Ein Verfahren nützt nur, wenn die Gegenstelle es auch beherrscht. Was technisch überzeugt, aber kaum verbreitet ist, findet im Ereignis niemanden, mit dem es sprechen kann.

M17
Offenes digitales Sprechfunkverfahren, technisch vergleichbar mit DMR. In Deutschland gibt es bisher kaum Relais und Geräte.
NXDN, P25 und dPMR im Amateurfunk
Kommen im deutschen Amateurfunk kaum vor.
ALE
Automatischer Verbindungsaufbau auf Kurzwelle, bei Militär und Behörden verbreitet. Im Amateurfunk koordiniert HFLink die Frequenzen, in Deutschland gibt es aber kaum Gegenstationen.
New Packet Radio (NPR)
IP-Verbindungen auf 70 cm mit 50 bis 500 kbit/s, ohne freie Sicht wie beim Richtfunk, so die Beschreibung von Daniel Estévez. Eine interessante Lücke zwischen Packet Radio und HAMNET, in Deutschland aber kaum verbreitet.
Hellschreiber, AMTOR, Clover, Pactor I, Kurzwellen-Packet mit 300 Baud
Veraltet oder ohne Geräte und Gegenstationen.

Die Ausbreitung ist Zufall

Im Ereignis muss eine Verbindung zu einer bestimmten Zeit zu einer bestimmten Stelle stehen. Verfahren, die nur bei günstigen Bedingungen oder für wenige Minuten funktionieren, lassen sich nicht planen.

Meteor Scatter, Troposcatter, Aurora
Nutzen seltene oder kurzzeitige Ausbreitung. Verbindungen gelingen sekundenweise oder an einzelnen Tagen.
Erde-Mond-Erde (EME)
Große Antennen, hohe Leistung, winzige Datenrate und nur, wenn der Mond sichtbar ist.
Amateurfunksatelliten in niedriger Umlaufbahn, Relais auf der ISS
Überflüge dauern etwa zehn Minuten und finden nur einige Male am Tag statt. Der geostationäre QO-100 ist dagegen dauerhaft erreichbar.
Langwelle und Mittelwelle im Amateurfunk (2200 m, 630 m)
Riesige Antennen, sehr geringe Datenrate, nur wenige Stationen.

Überträgt keine gesicherten Nachrichten

Eine Meldung muss vollständig und unverändert ankommen. Verfahren ohne Fehlerschutz oder mit nur wenigen Zeichen reichen dafür nicht.

WSPR, FT4, JT65, Q65
Baken und Rapporte wie FT8, keine Nachrichten. WSPR taugt allenfalls, um zu prüfen, welches Band gerade funktioniert.
RTTY und PSK31
Übertragen Text ohne Fehlerschutz. Ein gestörtes Zeichen kommt falsch an, ohne dass es jemand merkt. Für Formulare ist NBEMS mit Prüfsumme gedacht.

Reicht zu kurz oder braucht zu viele Geräte

Für die Nachbarschaft genügen kurze Reichweiten. Darüber hinaus funktionieren Verfahren nur, wenn sie aus eigener Kraft weit genug reichen oder vorher ein Netz aufgebaut wurde.

LPD 433
Sprechfunk mit 10 mW, laut AFU-Base etwa 0,5 bis 2 km. Der Kanal ist mit Funkthermometern, Autoschlüsseln und anderen Geräten geteilt, und die Bundesnetzagentur empfiehlt nach derselben Quelle keine neuen Sprechfunkgeräte mehr. PMR446 und Freenet sind die bessere Wahl.
Messenger über Bluetooth, etwa BitChat, Briar, Bridgefy
Reichen laut TechTarget etwa 100 m von Telefon zu Telefon im Freien und leiten über andere Telefone weiter, bei BitChat über bis zu sieben Stationen. Das funktioniert nur dort, wo viele Menschen mit derselben App dicht beieinander sind.
WLAN-Mesh, etwa Freifunk
Kann an der Anlaufstelle (z. B. Notfallinfopunkt) ein WLAN für Bürger bereitstellen. Jeder Knoten braucht aber Notstrom, und über den Ort hinaus funktioniert es nur mit geplanten Strecken, wie beim WLAN-Richtfunk.
Smartphone direkt zum Satelliten
Nach einer Übersicht von comms-connect (Mai 2026) gibt es in Deutschland nur Notruf-Funktionen einzelner Hersteller, etwa bei Apple und Google Pixel. Sie übermitteln einen Notruf mit Standort an den Rettungsdienst, für Führungskommunikation taugen sie nicht. Für Stab und Anlaufstelle ist heute Satelliteninternet der Weg.

Wege außerhalb von Amateurfunk und Jedermannfunk, etwa Satellitentelefon, Betriebsfunk oder Melder, stehen unter Kommunikationsausfall.

Quellen