Was Satelliteninternet ist
Starlink von SpaceX und Eutelsat OneWeb betreiben Hunderte bis Tausende Satelliten in niedriger Umlaufbahn. Ein Terminal mit flacher Antenne und Router verbindet einen Standort über diese Satelliten mit dem Internet. Die Antenne folgt den Satelliten elektronisch, niemand muss sie von Hand ausrichten. Weil die Satelliten nah an der Erde kreisen, ist die Verzögerung gering genug für Telefon und Videokonferenz.
Damit unterscheidet sich Satelliteninternet vom Satellitentelefon, das Sprache und kurze Nachrichten mit geringer Datenrate überträgt, und vom Amateurfunksatelliten QO-100, einem einzelnen Transponder, den sich alle Funkamateure in Europa teilen. Satelliteninternet ist ein kommerzieller Dienst mit Vertrag. Wer es nutzt, braucht keine Prüfung, ist aber vom Betreiber abhängig.
Wie die Daten laufen
Ob ein Terminal im Ereignis funktioniert, hängt davon ab, welchen Weg seine Daten nehmen. Hier unterscheiden sich die beiden Netze grundlegend.
- Starlink: Laserverbindungen zwischen den Satelliten
- Wie der Dienstleister Clarus Networks und das Fachportal New Space Economy beschreiben, haben Starlink-Satelliten seit 2022 Laserverbindungen untereinander. Findet ein Satellit keine Bodenstation in Reichweite, reicht er die Daten über andere Satelliten weiter, bis eine erreichbar ist, auch im Ausland. So funktioniert Starlink in Ländern ohne eigene Bodenstation, etwa in der Ukraine. Irgendwo muss aber eine Bodenstation arbeiten, und von dort laufen die Daten über einen Netzknoten des Betreibers ins Internet. Das gilt auch für Verkehr zwischen zwei Starlink-Terminals: Er läuft über diesen Knoten, nicht direkt im Orbit.
- OneWeb: Umsetzer ohne Verbindung untereinander
- Die heutigen OneWeb-Satelliten setzen das Signal nur um, Verbindungen zwischen den Satelliten haben sie nicht. So beschreiben es Messungen, die auf dem Portal Pulse der Internet Society veröffentlicht wurden, und eine Analyse von New Space Economy. Jede Verbindung braucht deshalb eine Bodenstation, die derselbe Satellit gerade sieht. Dafür kann der Verkehr an der Bodenstation laut dem OneWeb-Vertriebspartner Speedcast direkt in ein privates Netz geleitet werden, ohne das öffentliche Internet zu berühren. Terminals einer Organisation lassen sich so zu einem geschlossenen Netz verbinden, allerdings immer über die Bodenstation.
| Merkmal | Starlink | Eutelsat OneWeb |
|---|---|---|
| Betreiber | SpaceX, USA | Eutelsat, Frankreich |
| Verbindungen zwischen Satelliten | ja, per Laser | nein, erst mit der zweiten Generation |
| Bodenstation | irgendwo im Netz erreichbar, auch im Ausland | im Sichtbereich desselben Satelliten |
| Datenrate | hoch, je nach Tarif und Auslastung | bis etwa 190 Mbit/s mit dem Terminal HL1120W laut Hughes, Netz insgesamt deutlich kleiner |
| Strom je Terminal | Standard 60–100 W, Mini etwa 20–40 W | je nach Modell 150 W und mehr |
| Buchbar für | Privatleute, Unternehmen und Behörden | Unternehmen und Behörden über Partner |
Direkte Verbindungen im Orbit: angekündigt, noch nicht verfügbar
Dass Terminals ohne jede Bodenstation miteinander verbunden werden, wäre für den Katastrophenschutz besonders wertvoll. OneWeb hat so etwas 2020 in seinem Antrag bei der US-Regulierungsbehörde FCC für eine zweite Ausbaustufe beschrieben, abrufbar über das Archiv fcc.report: Daten sollten über Laserverbindungen zwischen den Satelliten laufen und direkt von Kunde zu Kunde vermittelt werden können. Im Betrieb ist das bisher nicht.
- Die Ersatzsatelliten, die Eutelsat bei Airbus bestellt hat und die ab 2026/2027 starten, bekommen digitale Kanalaufbereitung an Bord und damit mehr Verarbeitung im Satelliten. Verbindungen zwischen den Satelliten nennt Airbus für sie nicht.
- Laserverbindungen und eine Nutzlast, die Daten im Satelliten verarbeitet und vermittelt, sind nach der Analyse von New Space Economy für die zweite Generation nach 2030 geplant, im Rahmen des europäischen Programms IRIS². Die Kapazität des heutigen OneWeb-Netzes schätzt dieselbe Analyse auf weniger als 0,25 Prozent der Starlink-Kapazität.
Für die Planung heute gilt deshalb: Beide Netze brauchen eine funktionierende Bodenstation. Bei Starlink darf sie weit entfernt liegen, bei OneWeb nicht.
Was bei Ausfall passiert
- Örtliche Netze fallen aus
- Das ist die Stärke von Satelliteninternet. Mobilfunk, Festnetz und Stromnetz vor Ort spielen keine Rolle, solange das Terminal Strom hat. In der Ukraine hat sich genau das gezeigt.
- Strom
- Ein Standardterminal von Starlink nimmt nach Angaben der Gemeinde Visbek 60 bis 100 W auf, ein Starlink Mini laut Messungen von GridWright etwa 20 bis 40 W. Das OneWeb-Terminal HL1120W braucht laut Datenblatt von Hughes typisch 150 W. Für 24 Stunden bei 75 W sind das rund 1,8 kWh, dazu Router, Telefone und Laptops. Die Rechnung steht unter Notstrom für Funkstellen.
- Betreiber
- Jede Verbindung hängt an Satelliten, Bodenstationen, Netzknoten und Vertrag eines einzelnen Unternehmens. Fällt dessen Netz aus, ändert es seine Bedingungen oder schaltet es ab, ist die Verbindung weg. Die Debatte um Starlink in der Ukraine hat gezeigt, dass diese Abhängigkeit real ist: Berichte etwa im Standard und in der Wirtschaftswoche drehten sich 2025 darum, was eine Abschaltung bedeuten würde und ob Eutelsat einspringen könnte. Ein zweiter Weg über einen anderen Betreiber oder über Amateurfunk gehört deshalb in jeden Plan.
- Kapazität in der Region
- Alle Terminals in einer Region teilen sich die Kapazität der Satelliten über ihr. Wenn im Ereignis viele Stellen gleichzeitig Satelliteninternet nutzen, wird es für jede langsamer.
- Wetter und Sicht
- Das Terminal braucht freie Sicht auf einen großen Teil des Himmels. Bäume, Gebäude, Starkregen und Schnee auf der Antenne können die Verbindung unterbrechen.
Einsatzbereiche nach Ebene
- Bürger und Anlaufstelle
- Ein Terminal an der Anlaufstelle bringt WLAN für Bürger, die Angehörige erreichen oder Hilfe anfordern wollen, und ein Telefon über IP für die Anlaufstelle selbst. Starlink ist dafür klein und günstig genug, OneWeb meist zu teuer und zu schwer.
- Örtliche Führung
- Internet, E-Mail und Telefon für die Einsatzleitung der Gemeinde. Die eigenen Standorte im Ort, etwa Feuerwehrhäuser und Anlaufstellen, verbindet besser lizenzfreier WLAN-Richtfunk mit dem Terminal im Rathaus, statt jeden Standort einzeln über Satellit anzubinden.
- Kreis
- Der Landkreis Zwickau hat alle Städte und Gemeinden für ihre Krisenstäbe mit Starlink und Telefon ausgestattet. Krisenstab und Gemeinden erreichen sich damit über denselben Dienst. OneWeb kommt hier als zweiter, europäischer Weg infrage.
- Kreis, Land und Bund
- Die Entfernung spielt keine Rolle. Stäbe erreichen Land und Bund, dazu normale E-Mail-Adressen und Telefonnummern.
Die Einstufung aller Techniken steht im Vergleich nach Ebenen.
Terminals zu einem Netz verbinden
Oft sollen mehrere Standorte nicht nur ins Internet, sondern untereinander: Stab und Gemeinden sollen auf dieselbe Lagekarte, denselben Dateiserver oder dieselbe Telefonanlage zugreifen. Dafür braucht es ein VPN, und das muss vorher eingerichtet sein.
- Starlink
- Starlink vergibt keine eigene, von außen erreichbare IPv4-Adresse, wie etwa der IT-Dienstleister Consoro erläutert. Ein VPN zwischen zwei Terminals gelingt über das IPv6-Präfix, das Starlink in vielen Tarifen zuteilt, über einen VPN-Server außerhalb, zu dem alle Terminals eine Verbindung aufbauen, oder gegen Aufpreis mit öffentlicher Adresse im Geschäftstarif. Ein VPN-Server im Internet ist selbst eine Abhängigkeit: Er muss im Ereignis erreichbar bleiben.
- OneWeb
- Der Partner kann den Verkehr aller Terminals an der Bodenstation in ein privates Netz leiten. Das ist die sauberere Lösung, kostet aber Einrichtung und Vertrag.
In beiden Fällen gilt: Ein eigenes VPN verschlüsselt die Daten auch gegenüber dem Betreiber. Anders als im Amateurfunk ist das hier erlaubt und für Lage- und Personendaten notwendig.
Satelliteninternet und Amateurfunk
Beides ergänzt sich. Satelliteninternet trägt große Datenmengen und alle gewohnten Dienste, solange der Betreiber arbeitet. Amateurfunk ist langsamer, aber von keinem Betreiber abhängig und funktioniert auch dann, wenn Terminal, Vertrag oder Netz ausfallen. Ein Kommunikationsplan sieht deshalb beides vor: Satelliteninternet als ersten Weg für Daten und Telefon, NVIS, Winlink oder Relaisfunk als Weg, der ohne Dritte auskommt.
Den Satellitenzugang über HAMNET weiterzuverteilen, passt nicht. HAMNET ist Amateurfunk und steht nur Funkamateuren für Amateurfunkzwecke offen. Für die Verteilung im Ort ist lizenzfreier WLAN-Richtfunk gedacht.
Was vor dem Ereignis erledigt sein muss
- Aktiviert und getestet
- Das Terminal ist mit Vertrag aktiviert, auf dem aktuellen Stand und regelmäßig im Betrieb. Ein Terminal, das jahrelang im Karton lag, braucht im Ereignis womöglich erst Aktualisierungen.
- Standort geprüft
- Der Aufstellort hat freie Sicht, die App des Betreibers zeigt Hindernisse an. Kabelweg, Halterung und Blitzschutz sind geklärt.
- Strom gerechnet
- Die Leistungsaufnahme ist über 24 Stunden gemessen, Notstrom für die geplante Dauer ist vorhanden.
- Dienste eingerichtet
- Telefonnummern über IP, VPN, E-Mail und Lagekarte sind vorher eingerichtet und geübt, nicht erst im Ereignis.
- Zweiter Weg festgelegt
- Der Kommunikationsplan nennt einen Weg, der ohne diesen Betreiber auskommt, und wer ihn betreibt.
Einordnung
Satelliteninternet ist für Stab und Anlaufstelle heute die leistungsfähigste Rückfallebene für Daten und Telefon. Starlink ist verbreitet, klein und günstig, OneWeb ein teurer, aber europäischer zweiter Weg. Beide bleiben Dienste eines Betreibers mit Bodenstationen, Vertrag und Stromhunger. Wer sich allein darauf verlässt, tauscht die Abhängigkeit vom örtlichen Netz gegen die Abhängigkeit von einem einzelnen Unternehmen.
Was ein eigener Test messen sollte
- Zeit vom geschlossenen Koffer bis zum ersten erfolgreichen Telefonat
- Leistungsaufnahme im Leerlauf und unter Last über 24 Stunden
- Datenrate im Download und Upload zu verschiedenen Tageszeiten
- VPN zwischen zwei Terminals ohne weitere Internetverbindung vor Ort
- Verhalten bei Starkregen und teilweise verdeckter Sicht
Quellen
- Clarus Networks: How the Starlink network works (2026)
- Internet Society Pulse: Measuring the OneWeb Satellite Network
- New Space Economy: The Eutelsat OneWeb Problem (2026)
- Speedcast: OneWeb Enterprise Service
- Airbus: Eutelsat bestellt 229 weitere OneWeb-Satelliten (09/2026)
- Hughes: Datenblatt OneWeb-Terminal HL1120W (PDF)
- Landkreis Zwickau: Satelliten-Internet für die Krisenstäbe der Gemeinden
- Gemeinde Visbek: Starlink im Katastrophenschutz
- Consoro: Starlink, VPN und CGNAT
- New Space Economy: How does Starlink use satellite laser communications? (2026)
- OneWeb: Antrag bei der FCC für Phase 2, 2020 (PDF, über fcc.report)
- GridWright: Starlink Mini Power Consumption
- Der Standard: Europa sucht eine Alternative für Starlink in der Ukraine
- Wirtschaftswoche: Sollte Elon Musk Starlink abschalten