Starlink und OneWeb: Satelliteninternet im Katastrophenschutz

Ein Satelliteninternet-Terminal bringt Internet, E-Mail und Telefon an jeden Ort mit freier Sicht zum Himmel, unabhängig von Mobilfunk und Festnetz vor Ort. Für Krisenstab und Anlaufstelle ist das heute eine der stärksten Rückfallebenen. Es ist aber kein Amateurfunk und keine eigene Infrastruktur: Jede Verbindung läuft über das Netz eines Betreibers, und das Terminal braucht Strom.

Wofür sich Starlink und Eutelsat OneWeb eignen

Übertragung
Datenverbindung
Starlink: Datenrate
Hoch. Breitbandiger Internetzugang, im Download deutlich schneller als im Upload, abhängig von Tarif und Auslastung der Region. Telefon über IP und jeder andere Internetdienst. Überträgt Dateien und IP-Dienste, Texte und Formulare.
Eutelsat OneWeb: Datenrate
Hoch. Bis etwa 190 Mbit/s im Download, abhängig vom Terminal; die Gesamtkapazität des Netzes ist deutlich kleiner als bei Starlink. Auch als privates Netz ohne öffentliches Internet. Überträgt Dateien und IP-Dienste, Texte und Formulare.
Braucht an Infrastruktur
Starlink: Satellitennetz eines Betreibers. Terminal mit freier Sicht zum Himmel, Strom (Standardterminal 60 bis 100 W, Mini etwa 20 bis 40 W), Vertrag und das Netz des Betreibers aus Satelliten, Bodenstationen und Netzknoten, die auch im Ausland liegen dürfen.
Eutelsat OneWeb: Satellitennetz eines Betreibers. Terminal mit freier Sicht zum Himmel und je nach Modell 150 W und mehr, Vertrag über einen Partner; jede Verbindung braucht eine Bodenstation im Sichtbereich desselben Satelliten.

Starlink geeignet Bürger und Anlaufstelle, Örtliche Führung, Kreis, Kreis und Land, Land und Bund

Eutelsat OneWeb geeignet Kreis, Kreis und Land, Land und Bund

Eutelsat OneWeb eingeschränkt Bürger und Anlaufstelle, Örtliche Führung

Alle sechs Ebenen mit Begründung

Selbsthilfe und Bevölkerung

  1. 1 Nachbarschaft Starlink nicht geeignet verbindet einen Standort mit dem Internet, nicht Nachbarn untereinander Eutelsat OneWeb nicht geeignet verbindet einen Standort mit dem Internet, nicht Nachbarn untereinander
  2. 2 Bürger und Anlaufstelle Starlink geeignet bringt der Anlaufstelle Internet, Telefon über IP und WLAN, über das Bürger Angehörige erreichen Eutelsat OneWeb eingeschränkt technisch möglich, für eine Anlaufstelle aber meist zu teuer und zu schwer

Kommunale und örtliche Führung

  1. 3 Örtliche Führung Starlink geeignet Internet, E-Mail und Telefon für die Einsatzleitung der Gemeinde; eigene Standorte im Ort verbindet lizenzfreier Richtfunk ohne Umweg über den Betreiber Eutelsat OneWeb eingeschränkt für die Einsatzleitung als zweiter, europäischer Weg neben Starlink, wenn Budget und fester Aufbau vorhanden sind
  2. 4 Kreis Starlink geeignet Krisenstab und Gemeinden erreichen sich und das Internet über denselben Dienst, einige Landkreise haben alle Gemeinden ausgestattet Eutelsat OneWeb geeignet als unabhängiger zweiter Weg für den Krisenstab, auch als privates Netz ohne öffentliches Internet

Übergeordnete Führung

  1. 5 Kreis und Land Starlink geeignet die Entfernung spielt keine Rolle, solange Betreiber und Bodenstationen arbeiten Eutelsat OneWeb geeignet die Entfernung spielt keine Rolle, solange Betreiber und Bodenstationen arbeiten
  2. 6 Land und Bund Starlink geeignet bundesweit und darüber hinaus, auch zu normalen E-Mail-Adressen und Telefonnummern Eutelsat OneWeb geeignet bundesweit und darüber hinaus

Die Einstufung berücksichtigt beide Enden der Reichweite: ob die Technik weit genug trägt und ob sie nicht unnötig weit reicht. Sie ist eine Orientierung. Ob eine Strecke trägt, zeigt nur ein Test mit den tatsächlichen Standorten. Alle Techniken im Vergleich

Was Satelliteninternet ist

Starlink von SpaceX und Eutelsat OneWeb betreiben Hunderte bis Tausende Satelliten in niedriger Umlaufbahn. Ein Terminal mit flacher Antenne und Router verbindet einen Standort über diese Satelliten mit dem Internet. Die Antenne folgt den Satelliten elektronisch, niemand muss sie von Hand ausrichten. Weil die Satelliten nah an der Erde kreisen, ist die Verzögerung gering genug für Telefon und Videokonferenz.

Damit unterscheidet sich Satelliteninternet vom Satellitentelefon, das Sprache und kurze Nachrichten mit geringer Datenrate überträgt, und vom Amateurfunksatelliten QO-100, einem einzelnen Transponder, den sich alle Funkamateure in Europa teilen. Satelliteninternet ist ein kommerzieller Dienst mit Vertrag. Wer es nutzt, braucht keine Prüfung, ist aber vom Betreiber abhängig.

Wie die Daten laufen

Ob ein Terminal im Ereignis funktioniert, hängt davon ab, welchen Weg seine Daten nehmen. Hier unterscheiden sich die beiden Netze grundlegend.

Starlink: Laserverbindungen zwischen den Satelliten
Wie der Dienstleister Clarus Networks und das Fachportal New Space Economy beschreiben, haben Starlink-Satelliten seit 2022 Laserverbindungen untereinander. Findet ein Satellit keine Bodenstation in Reichweite, reicht er die Daten über andere Satelliten weiter, bis eine erreichbar ist, auch im Ausland. So funktioniert Starlink in Ländern ohne eigene Bodenstation, etwa in der Ukraine. Irgendwo muss aber eine Bodenstation arbeiten, und von dort laufen die Daten über einen Netzknoten des Betreibers ins Internet. Das gilt auch für Verkehr zwischen zwei Starlink-Terminals: Er läuft über diesen Knoten, nicht direkt im Orbit.
OneWeb: Umsetzer ohne Verbindung untereinander
Die heutigen OneWeb-Satelliten setzen das Signal nur um, Verbindungen zwischen den Satelliten haben sie nicht. So beschreiben es Messungen, die auf dem Portal Pulse der Internet Society veröffentlicht wurden, und eine Analyse von New Space Economy. Jede Verbindung braucht deshalb eine Bodenstation, die derselbe Satellit gerade sieht. Dafür kann der Verkehr an der Bodenstation laut dem OneWeb-Vertriebspartner Speedcast direkt in ein privates Netz geleitet werden, ohne das öffentliche Internet zu berühren. Terminals einer Organisation lassen sich so zu einem geschlossenen Netz verbinden, allerdings immer über die Bodenstation.
MerkmalStarlinkEutelsat OneWeb
BetreiberSpaceX, USAEutelsat, Frankreich
Verbindungen zwischen Satellitenja, per Lasernein, erst mit der zweiten Generation
Bodenstationirgendwo im Netz erreichbar, auch im Auslandim Sichtbereich desselben Satelliten
Datenratehoch, je nach Tarif und Auslastungbis etwa 190 Mbit/s mit dem Terminal HL1120W laut Hughes, Netz insgesamt deutlich kleiner
Strom je TerminalStandard 60–100 W, Mini etwa 20–40 Wje nach Modell 150 W und mehr
Buchbar fürPrivatleute, Unternehmen und BehördenUnternehmen und Behörden über Partner

Direkte Verbindungen im Orbit: angekündigt, noch nicht verfügbar

Dass Terminals ohne jede Bodenstation miteinander verbunden werden, wäre für den Katastrophenschutz besonders wertvoll. OneWeb hat so etwas 2020 in seinem Antrag bei der US-Regulierungsbehörde FCC für eine zweite Ausbaustufe beschrieben, abrufbar über das Archiv fcc.report: Daten sollten über Laserverbindungen zwischen den Satelliten laufen und direkt von Kunde zu Kunde vermittelt werden können. Im Betrieb ist das bisher nicht.

  • Die Ersatzsatelliten, die Eutelsat bei Airbus bestellt hat und die ab 2026/2027 starten, bekommen digitale Kanalaufbereitung an Bord und damit mehr Verarbeitung im Satelliten. Verbindungen zwischen den Satelliten nennt Airbus für sie nicht.
  • Laserverbindungen und eine Nutzlast, die Daten im Satelliten verarbeitet und vermittelt, sind nach der Analyse von New Space Economy für die zweite Generation nach 2030 geplant, im Rahmen des europäischen Programms IRIS². Die Kapazität des heutigen OneWeb-Netzes schätzt dieselbe Analyse auf weniger als 0,25 Prozent der Starlink-Kapazität.

Für die Planung heute gilt deshalb: Beide Netze brauchen eine funktionierende Bodenstation. Bei Starlink darf sie weit entfernt liegen, bei OneWeb nicht.

Was bei Ausfall passiert

Örtliche Netze fallen aus
Das ist die Stärke von Satelliteninternet. Mobilfunk, Festnetz und Stromnetz vor Ort spielen keine Rolle, solange das Terminal Strom hat. In der Ukraine hat sich genau das gezeigt.
Strom
Ein Standardterminal von Starlink nimmt nach Angaben der Gemeinde Visbek 60 bis 100 W auf, ein Starlink Mini laut Messungen von GridWright etwa 20 bis 40 W. Das OneWeb-Terminal HL1120W braucht laut Datenblatt von Hughes typisch 150 W. Für 24 Stunden bei 75 W sind das rund 1,8 kWh, dazu Router, Telefone und Laptops. Die Rechnung steht unter Notstrom für Funkstellen.
Betreiber
Jede Verbindung hängt an Satelliten, Bodenstationen, Netzknoten und Vertrag eines einzelnen Unternehmens. Fällt dessen Netz aus, ändert es seine Bedingungen oder schaltet es ab, ist die Verbindung weg. Die Debatte um Starlink in der Ukraine hat gezeigt, dass diese Abhängigkeit real ist: Berichte etwa im Standard und in der Wirtschaftswoche drehten sich 2025 darum, was eine Abschaltung bedeuten würde und ob Eutelsat einspringen könnte. Ein zweiter Weg über einen anderen Betreiber oder über Amateurfunk gehört deshalb in jeden Plan.
Kapazität in der Region
Alle Terminals in einer Region teilen sich die Kapazität der Satelliten über ihr. Wenn im Ereignis viele Stellen gleichzeitig Satelliteninternet nutzen, wird es für jede langsamer.
Wetter und Sicht
Das Terminal braucht freie Sicht auf einen großen Teil des Himmels. Bäume, Gebäude, Starkregen und Schnee auf der Antenne können die Verbindung unterbrechen.

Einsatzbereiche nach Ebene

Bürger und Anlaufstelle
Ein Terminal an der Anlaufstelle bringt WLAN für Bürger, die Angehörige erreichen oder Hilfe anfordern wollen, und ein Telefon über IP für die Anlaufstelle selbst. Starlink ist dafür klein und günstig genug, OneWeb meist zu teuer und zu schwer.
Örtliche Führung
Internet, E-Mail und Telefon für die Einsatzleitung der Gemeinde. Die eigenen Standorte im Ort, etwa Feuerwehrhäuser und Anlaufstellen, verbindet besser lizenzfreier WLAN-Richtfunk mit dem Terminal im Rathaus, statt jeden Standort einzeln über Satellit anzubinden.
Kreis
Der Landkreis Zwickau hat alle Städte und Gemeinden für ihre Krisenstäbe mit Starlink und Telefon ausgestattet. Krisenstab und Gemeinden erreichen sich damit über denselben Dienst. OneWeb kommt hier als zweiter, europäischer Weg infrage.
Kreis, Land und Bund
Die Entfernung spielt keine Rolle. Stäbe erreichen Land und Bund, dazu normale E-Mail-Adressen und Telefonnummern.

Die Einstufung aller Techniken steht im Vergleich nach Ebenen.

Terminals zu einem Netz verbinden

Oft sollen mehrere Standorte nicht nur ins Internet, sondern untereinander: Stab und Gemeinden sollen auf dieselbe Lagekarte, denselben Dateiserver oder dieselbe Telefonanlage zugreifen. Dafür braucht es ein VPN, und das muss vorher eingerichtet sein.

Starlink
Starlink vergibt keine eigene, von außen erreichbare IPv4-Adresse, wie etwa der IT-Dienstleister Consoro erläutert. Ein VPN zwischen zwei Terminals gelingt über das IPv6-Präfix, das Starlink in vielen Tarifen zuteilt, über einen VPN-Server außerhalb, zu dem alle Terminals eine Verbindung aufbauen, oder gegen Aufpreis mit öffentlicher Adresse im Geschäftstarif. Ein VPN-Server im Internet ist selbst eine Abhängigkeit: Er muss im Ereignis erreichbar bleiben.
OneWeb
Der Partner kann den Verkehr aller Terminals an der Bodenstation in ein privates Netz leiten. Das ist die sauberere Lösung, kostet aber Einrichtung und Vertrag.

In beiden Fällen gilt: Ein eigenes VPN verschlüsselt die Daten auch gegenüber dem Betreiber. Anders als im Amateurfunk ist das hier erlaubt und für Lage- und Personendaten notwendig.

Satelliteninternet und Amateurfunk

Beides ergänzt sich. Satelliteninternet trägt große Datenmengen und alle gewohnten Dienste, solange der Betreiber arbeitet. Amateurfunk ist langsamer, aber von keinem Betreiber abhängig und funktioniert auch dann, wenn Terminal, Vertrag oder Netz ausfallen. Ein Kommunikationsplan sieht deshalb beides vor: Satelliteninternet als ersten Weg für Daten und Telefon, NVIS, Winlink oder Relaisfunk als Weg, der ohne Dritte auskommt.

Den Satellitenzugang über HAMNET weiterzuverteilen, passt nicht. HAMNET ist Amateurfunk und steht nur Funkamateuren für Amateurfunkzwecke offen. Für die Verteilung im Ort ist lizenzfreier WLAN-Richtfunk gedacht.

Was vor dem Ereignis erledigt sein muss

Aktiviert und getestet
Das Terminal ist mit Vertrag aktiviert, auf dem aktuellen Stand und regelmäßig im Betrieb. Ein Terminal, das jahrelang im Karton lag, braucht im Ereignis womöglich erst Aktualisierungen.
Standort geprüft
Der Aufstellort hat freie Sicht, die App des Betreibers zeigt Hindernisse an. Kabelweg, Halterung und Blitzschutz sind geklärt.
Strom gerechnet
Die Leistungsaufnahme ist über 24 Stunden gemessen, Notstrom für die geplante Dauer ist vorhanden.
Dienste eingerichtet
Telefonnummern über IP, VPN, E-Mail und Lagekarte sind vorher eingerichtet und geübt, nicht erst im Ereignis.
Zweiter Weg festgelegt
Der Kommunikationsplan nennt einen Weg, der ohne diesen Betreiber auskommt, und wer ihn betreibt.

Einordnung

Satelliteninternet ist für Stab und Anlaufstelle heute die leistungsfähigste Rückfallebene für Daten und Telefon. Starlink ist verbreitet, klein und günstig, OneWeb ein teurer, aber europäischer zweiter Weg. Beide bleiben Dienste eines Betreibers mit Bodenstationen, Vertrag und Stromhunger. Wer sich allein darauf verlässt, tauscht die Abhängigkeit vom örtlichen Netz gegen die Abhängigkeit von einem einzelnen Unternehmen.

Was ein eigener Test messen sollte

  • Zeit vom geschlossenen Koffer bis zum ersten erfolgreichen Telefonat
  • Leistungsaufnahme im Leerlauf und unter Last über 24 Stunden
  • Datenrate im Download und Upload zu verschiedenen Tageszeiten
  • VPN zwischen zwei Terminals ohne weitere Internetverbindung vor Ort
  • Verhalten bei Starkregen und teilweise verdeckter Sicht

Quellen