Was FT8 kann
FT8 ist ein Digimode für Verbindungen unter sehr schwachen Signalbedingungen. Er kann Signale dekodieren, bei denen eine Sprechfunkverbindung nicht mehr verständlich wäre. Eine erfolgreiche FT8-Verbindung beweist deshalb nicht, dass auf derselben Strecke auch Sprechfunk zuverlässig funktioniert.
Warum das für operative Nachrichten nur begrenzt hilft
FT8 ist für einen stark strukturierten, kurzen Austausch gebaut: Rufzeichen, Standortkennung, Signalrapport und Bestätigung. Die Sende- und Empfangsfenster dauern jeweils 15 Sekunden. Eine Freitextnachricht enthält höchstens 13 Zeichen einschließlich Leerzeichen aus einem begrenzten Zeichenvorrat. Eine Lagemeldung wie „Trinkwasserausgabe Grundschule Nord braucht bis 18 Uhr 40 Kanister“ müsste auf zahlreiche Nachrichten verteilt werden. Ein vollständiger Ablauf zur automatischen Aufteilung, Wiederzusammensetzung und Bestätigung einer solchen Meldung gehört nicht zum üblichen FT8-Betrieb.
Ein Verfahren ist nicht deshalb gut für den Katastrophenschutz, weil es unter schwierigen Funkbedingungen noch ein Signal dekodiert.
Bewertungskriterien für jedes Verfahren
| Kriterium | Frage | FT8 |
|---|---|---|
| Freie Nachricht | Kann längerer Text übertragen werden? | höchstens 13 Zeichen je Freitextnachricht |
| Geschwindigkeit | Wie lange dauert eine typische Meldung? | für längere Texte viele getrennte Übertragungen erforderlich |
| Fehlerkontrolle | Werden Übertragungsfehler erkannt oder korrigiert? | Fehlerkorrektur und CRC auch für Freitext; keine automatische Vollständigkeitsbestätigung einer mehrteiligen Lagemeldung |
| Priorisierung | Kann Dringendes vorgezogen werden? | organisatorisch möglich, aber keine integrierte Einsatznachrichten-Warteschlange |
| Bedienung | Kann ein zweiter Operator das unter Stress? | Standardkontakte werden unterstützt; längere Meldungen erfordern zusätzliche Abläufe |
| Netzbetrieb | Können mehrere Stellen geordnet teilnehmen? | mehrere Signale parallel dekodierbar; ein geführtes Meldungsnetz muss zusätzlich organisiert werden |
| Dokumentation | Wird der Inhalt gespeichert? | WSJT-X kann gesendete und empfangene Texte in ALL.TXT protokollieren; das QSO-Log allein genügt nicht |
Für längere operative Nachrichten sind dafür ausgelegte Verfahren wie Winlink häufig zweckmäßiger. FT8 kann Hinweise auf Ausbreitungsbedingungen liefern oder sehr kurze Informationen übertragen. Passende Zeitsynchronisation und eine erreichbare Gegenstelle bleiben erforderlich. Ein FT8-Bandtest ersetzt keinen Test der tatsächlich vorgesehenen Betriebsart.
JS8Call: FT8 für Nachrichten
JS8Call baut auf der Modulation von FT8 auf, überträgt aber freien Text über beliebig viele Durchgänge. Das Nutzerhandbuch nennt vier Geschwindigkeiten: Slow mit Durchgängen von 30 Sekunden und etwa 8 Wörtern pro Minute, dekodierbar bis −28 dB, Normal mit 15 Sekunden und etwa 16 Wörtern pro Minute bis −24 dB, dazu Fast und Turbo mit etwa 24 und 40 Wörtern pro Minute bei stärkeren Signalen. Nachrichten kann eine Station bei einer anderen ablegen, die sie weitergibt, sobald der Empfänger wieder erreichbar ist, oder über eine dritte Station weiterleiten lassen.
Damit behebt JS8Call den größten Mangel von FT8. Die Lagemeldung oben braucht im Normalbetrieb weniger als eine Minute, ein Formular mit 150 Wörtern rund zehn Minuten. Für kurze Meldungen unter schwierigsten Bedingungen ist das brauchbar. Für Formulare sind NBEMS und Winlink schneller und geordneter.
Die allgemeine Lehre
Reichweite ist eine Eigenschaft der Funkverbindung, Einsatzwert eine Eigenschaft des ganzen Ablaufs: Kommt die richtige Nachricht beim richtigen Empfänger an, vollständig, nachvollziehbar und schnell genug? Jedes Verfahren sollte an diesen Kriterien gemessen werden, nicht an Rekorden.