Art des Beispiels: Organisationsmodell mit jahrzehntelanger Übungspraxis, beschrieben anhand italienischer Presse und Veröffentlichungen aus dem Zivilschutz. Eine amtliche Gesamtdarstellung des Netzes haben wir nicht gefunden. Zahlen zur Beteiligung stammen aus Presseberichten.
Die Entstehung
Am 23. November 1980 zerstörte ein Erdbeben der Stärke 6,9 weite Teile der süditalienischen Region Irpinien, rund 3.000 Menschen starben. Die Hilfe lief schleppend an und wurde landesweit scharf kritisiert. Giuseppe Zamberletti, damals Sonderbeauftragter der Regierung und später erster Minister für Zivilschutz, stieß daraufhin 1981 zusammen mit dem Amateurfunkverband ARI ein alternatives Funknetz an.
Mit einer Anordnung vom 7. März 1985 legte der Minister für Zivilschutz fest, dass die Präfekturen mit Kurzwellen- und UKW-Funkstationen ausgestattet werden, die von Freiwilligen der ARI betrieben werden. Die Präfekturen sind die Vertretungen des Staates in den gut hundert italienischen Provinzen.
Wie das Netz arbeitet
- Standorte: Funkräume in den Präfekturen, betreut von Funkamateuren der ARI und ihres Notfunkbereichs ARI-RE (Radiocomunicazioni di Emergenza).
- Gliederung: Drei Leitstationen in Varese, Siena und Reggio Calabria führen die Verbindungen zwischen den Präfekturen.
- Technik: Kurzwelle für die Verbindungen zwischen den Präfekturen und zum Zivilschutz, UKW und UHF für die Verbindungen innerhalb der Provinz.
- Übung: jeden Monat eine Verbindungsprobe zwischen den Präfekturen. Im Mai 2026 fand nach Presseberichten die 500. Probe statt.
Am 13. Oktober 2022 gab der nationale Zivilschutz dem Netz bei einer Veranstaltung in Rom offiziell den Namen „Rete Zamberletti“. Nach Presseangaben tragen es heute mehr als 600 Freiwillige.
Die Stärke: Ausdauer
Technisch ist die Rete Zamberletti unspektakulär: Sprechfunk auf Kurzwelle zwischen Behördengebäuden. Bemerkenswert ist etwas anderes. Das Netz wird seit über 40 Jahren jeden Monat geprobt. Giannino Romeo, über Jahrzehnte für die Koordination zuständig, hat es nach eigener Aussage vom 30. bis zum 80. Lebensjahr begleitet.
Eine monatliche Probe klingt banal. Sie prüft aber genau das, was im Ernstfall am häufigsten versagt: ob die Station noch funktioniert, ob die Antenne noch hängt, ob jemand den Schlüssel zum Funkraum hat und ob die Bedienung noch geläufig ist. Mehr dazu im Beitrag Notfunkübung planen.
Die Schwäche: Nachwuchs und Abdeckung
Ein Netz, das von einer Generation getragen wird, altert mit ihr. Italienische Berichte würdigen vor allem langjährige Aktive; wer sie ablöst, bleibt dort meist offen. Zudem nehmen nach Angaben eines Zivilschutzvereins nicht alle Präfekturen regelmäßig an den Proben teil. Wie viele es tatsächlich sind, konnten wir nicht aus einer amtlichen Quelle belegen.
Was auf Deutschland übertragbar ist, und was nicht
| Übertragbar | Nicht ohne Weiteres übertragbar |
|---|---|
| eine feste Amateurfunkstation im Gebäude der Behörde statt im Vereinsheim | eine staatliche Anordnung, die alle Behörden einer Ebene mit Amateurfunkstationen ausstattet |
| eine monatliche, kurze Verbindungsprobe zu festem Termin | ein landesweites Netz; in Deutschland wäre die Entsprechung eher ein Netz der Kreise innerhalb eines Landes |
| Nachwuchs von Anfang an einplanen, nicht erst, wenn die Gründer aufhören | die Verankerung über eine landesweit bekannte Symbolfigur wie Zamberletti |
Fragen für die eigene Planung
- Wann wurde unsere Amateurfunkstation in der Führungsstelle zuletzt tatsächlich in Betrieb genommen?
- Gibt es einen festen, wiederkehrenden Probetermin, den niemand extra organisieren muss?
- Wer übernimmt, wenn die heutigen Aktiven aufhören?
Quellen
- Il Giorno: Rete Zamberletti, una certezza (italienisch)
- Protezione Civile Genzano di Roma: Le frequenze radio della Rete Zamberletti (13. April 2026, italienisch)
- Dipartimento della Protezione Civile: Programm der Veranstaltung „Il futuro delle telecomunicazioni di emergenza“, Rom, 13. Oktober 2022 (PDF)
- ARRL: Amateur Radio Volunteers Assisting in Italian Earthquake Response (Amatrice 2016)