Kommunikation bei Blackout: Welche Systeme funktionieren noch?

Bei einem großflächigen Stromausfall fällt Kommunikation nicht auf einen Schlag aus, sondern in Stufen: Festnetz und Internet oft sofort, Mobilfunk je nach Notstrom nach Minuten bis Stunden, gehärtete Systeme später. Entscheidend ist für jeden eigenen Kommunikationsweg die Frage, woher sein Strom kommt und wie lange.

Ein Stromausfall ist kein Schalter, sondern eine Zeitachse

„Bei Blackout geht nichts mehr“ ist genauso falsch wie „unser Handy funktioniert ja noch“. Welche Kommunikation wann ausfällt, hängt davon ab, wie jeder Baustein mit Strom versorgt wird. Die folgenden Zeiträume sind typische Größenordnungen, keine Garantie. Die tatsächlichen Werte unterscheiden sich je nach Betreiber, Standort und Ausbau und müssen für die eigene Region erfragt oder gemessen werden.

Typischer Verlauf, abhängig von Ausbau und Notstrom
ZeitraumWas typischerweise passiert
Minute 0–15Router, Glasfaser-Endgeräte und schnurlose Telefone ohne Akku fallen sofort aus. Mobiltelefone laufen, Mobilfunkmasten zunächst über Batterien. Netze werden durch viele gleichzeitige Anrufe überlastet.
Erste StundenViele Mobilfunkstandorte ohne längere Notstromversorgung schalten ab, die Abdeckung wird lückenhaft. Rechenzentren laufen über USV und Netzersatzanlagen weiter, solange Treibstoff reicht. Handfunkgeräte und Relais mit Akkus arbeiten noch.
6–12 StundenAkkus von Endgeräten, Laptops und kleineren Relais gehen zur Neige. Was jetzt noch läuft, hat Generator, große Batterien oder Solar. Nachtanken wird zum Thema.
24 StundenTreibstofflogistik entscheidet. Stellen ohne Nachschubplan fallen aus. Personal muss abgelöst werden.
Mehrere TageDauerbetrieb nur noch dort, wo Strom, Treibstoff, Personal und Ersatzteile organisiert sind. Improvisierte Lösungen ohne Plan sind erschöpft.

Die Bausteine einzeln betrachtet

Endgeräte
Wie lange halten Telefone, Funkgeräte und Laptops? Können sie ohne Netzstrom geladen werden?
Mobilfunkstandorte
Wie lange sind die Masten in Ihrer Region gepuffert? Diese Frage kann nur der Netzbetreiber beantworten.
Router, Glasfaserabschluss, Kabelverstärker
Im Haus mit USV absicherbar, im Verteilnetz nicht in Ihrer Hand.
Rechenzentren und Cloud-Dienste
Auch wenn das Rechenzentrum läuft, hilft es nichts, wenn der Weg dorthin ausgefallen ist.
Lokale Relais
Amateurfunkrelais haben sehr unterschiedliche Notstromversorgung, von keiner bis zu mehreren Tagen. Siehe Relaisfunk.
Funkstellen
Eine Station mit eigener Stromversorgung und Direktverbindung ist unabhängig von allen Bausteinen oben. Siehe Notstrom für Funkstellen.
Akkus, Generatoren, Treibstoff
Wer einen Generator hat, braucht auch einen Plan für Betankung, Lagerung und Wartung.

Wo Amateurfunk im Blackout hilft

Funkstellen mit eigener Stromversorgung, die direkt oder per Kurzwelle miteinander verbunden sind, hängen an keinem der fremden Bausteine. Das macht sie im Blackout wertvoll. Sie teilen aber eine Abhängigkeit mit allem anderen: Strom. Eine Funkstelle ohne Plan für 24 Stunden ist nach einem Tag genauso stumm wie das Mobiltelefon.

Arbeitsblatt: die eigenen Kommunikationswege prüfen

Legen Sie eine Liste aller Kommunikationswege an und beantworten Sie für jeden Baustein:

  1. Woher kommt dessen Strom?
  2. Wie lange hält er ohne Netzstrom, gemessen und nicht geschätzt?
  3. Was hängt außerhalb meines Einflussbereichs?
  4. Wie teste ich den echten Ausfall, also mit gezogenem Stecker?

Quellen