Dies ist keine Kaufberatung für Powerstations. Es geht um die Frage: Wie lange läuft unsere Funkstelle wirklich, und wie finden wir das heraus?
Schritt 1: Verbraucher messen, nicht schätzen
Typenschilder und Datenblätter geben Maximalwerte an. Messen Sie mit einem Leistungsmessgerät im tatsächlichen Betrieb und tragen Sie die Werte in eine Tabelle ein. Die Sendeleistung an der Antenne ist dabei nicht die Leistungsaufnahme: Ein Funkgerät mit 100 W Sendeleistung nimmt deutlich mehr auf.
| Verbraucher | Leistung gemessen | Anteil der Zeit |
|---|---|---|
| Funkgerät Empfang | … W | Rest der Zeit |
| Funkgerät Senden | … W | Sendeanteil, zum Beispiel 10 % |
| Laptop | … W | dauerhaft oder zeitweise |
| Router oder Switch | … W | dauerhaft |
| Beleuchtung | … W | nachts |
Legen Sie fest, wo Sie messen. Direkt am Akku gemessen sind die Verluste von Wandlern und Kabeln schon enthalten. Am Verbraucher gemessen kommen sie noch dazu.
Schritt 2: mittlere Leistung berechnen
Der Sendeanteil (Duty Cycle) entscheidet, und schon ein kleiner zählt: Mit 15 W im Empfang und 150 W beim Senden ergeben 5 % Sendeanteil im Mittel 21,75 W, also 45 % mehr als reiner Empfang. Ein Datenverfahren, das lange Übertragungen fährt, kann einen Sendeanteil von 50 % und mehr haben.
Mittlere Leistung = Summe aus Leistung mal Zeitanteil für jeden Verbraucher.
Schritt 3: Laufzeit
Theoretische Laufzeit = nutzbare Wattstunden / mittlere Leistungsaufnahme
„Nutzbar“ ist dabei wichtig: Ein Bleiakku sollte nicht tief entladen werden, bei Lithium-Eisenphosphat ist ein größerer Teil nutzbar. Alter, Kälte und hoher Entladestrom verringern die nutzbare Energie weiter, Wandler und Kabel kosten zusätzlich. Planen Sie deshalb mit Abschlägen und einer Reserve, ziehen Sie dieselben Verluste aber nicht doppelt ab.
Die Laufzeit ist nur die halbe Rechnung. Die Versorgung muss auch den Spitzenstrom beim Senden liefern: Ein 100-W-Funkgerät an 13,8 V zieht um die 20 A. Kabel, Stecker, Sicherungen, Wandler und der Schutz der Powerstation dürfen dabei weder abschalten noch die Spannung zu stark einbrechen lassen.
Rechenbeispiel mit angenommenen Werten
Angenommen: Funkgerät Empfang 15 W, Senden 150 W bei 10 % Sendeanteil, Laptop 30 W dauerhaft.
- Funkgerät im Mittel: 0,9 × 15 W + 0,1 × 150 W = 28,5 W
- mit Laptop: 58,5 W
- Akku mit 1.000 Wh Nennenergie, angenommen 20 % Abschlag für Verluste und Reserve: 800 Wh
- Laufzeit: 800 Wh / 58,5 W ≈ 13,7 Stunden
Das Beispiel zeigt: Der Laptop verbraucht hier mehr als das Funkgerät. Die Werte sind Annahmen und müssen für die eigene Station gemessen werden.
Häufige Fehler
- Typenschild statt Messung
- Nebenverbraucher wie Laptop, Router und Licht vergessen
- Akkukapazität laut Aufdruck als voll nutzbar angenommen
- Generator ohne Treibstoffplan
- Spitzenstrom beim Senden nicht geprüft, die Powerstation schaltet beim ersten Durchgang ab
- nie über die berechnete Laufzeit hinaus getestet
Sicherer Aufbau
Akkuleitungen brauchen eine Sicherung nahe am Akku, ausreichenden Querschnitt und feste Verbindungen. Ladegerät, Akku und Temperaturbereich müssen zusammenpassen. Ein Batteriemanagementsystem ersetzt keine Sicherung.
Stromerzeuger mit Verbrennungsmotor nur im Freien betreiben, mit Abstand zu Fenstern, Türen und Lüftungsöffnungen. Kohlenmonoxid ist geruchlos, auch eine offene Garage ist kein sicherer Ort. Nie über eine Steckdose ins Hausnetz zurückspeisen: Eine Einspeisung ins Gebäude braucht eine dafür gebaute Umschalteinrichtung und eine Elektrofachkraft.
Der einzige Beweis: laufen lassen
Rechnung ist Planung, Messung ist Wissen. Lassen Sie die Funkstelle unter realistischem Betrieb über 8 oder 24 Stunden laufen und dokumentieren Sie Spannung, Temperatur und Funktion. Beenden Sie den Test an der vorher festgelegten Entladegrenze des Akkus, nicht erst bei einer Tiefentladung. Prüfen Sie auch Umschaltung, Nachladen und Wiederanlauf. Eine solche Messreihe ist als Praxistest geplant.