QO-100 und Satellitenkommunikation

QO-100 ist die Amateurfunk-Nutzlast eines geostationären Satelliten, die von ganz Europa aus gleichzeitig erreichbar ist. Sie kann weit entfernte Stellen ohne terrestrische Infrastruktur verbinden. Dafür braucht es freie Sicht nach Süd-Südost, einen ausgerichteten Spiegel, Strom und strenge Betriebsdisziplin, denn alle teilen sich denselben Transponder. Für regionale Strecken ist das weit mehr Reichweite als nötig.

Wofür sich QO-100 eignet

Datenrate
Gering bis mittel. Über den Schmalband-Transponder ähnlich wie auf Kurzwelle, einige kbit/s. Überträgt Texte und Formulare.
Braucht an Infrastruktur
Ein Satellit. Spiegel, freie Sicht nach Süd-Südost, eigener Downlink-Empfang, Strom und Übung im Aufbau.

geeignet Land und Bund

eingeschränkt Kreis und Land

Alle sechs Ebenen mit Begründung

Selbsthilfe und Bevölkerung

  1. 1 Nachbarschaft nicht geeignet nur zwischen Nachbarn, die selbst Funkamateure sind
  2. 2 Bürger und Anlaufstelle nicht geeignet Bürger ohne Amateurfunkprüfung dürfen nicht senden

Kommunale und örtliche Führung

  1. 3 Örtliche Führung nicht geeignet viel zu große Reichweite, der Transponder ist auf rund einem Drittel der Erde zu hören und wird von allen geteilt
  2. 4 Kreis nicht geeignet viel zu große Reichweite, belegt einen Transponder für Europa, Afrika und Teile Asiens; UKW oder Relais reichen

Übergeordnete Führung

  1. 5 Kreis und Land eingeschränkt nur, wenn NVIS an Tageszeit oder Ionosphäre scheitert; weit mehr Reichweite als nötig
  2. 6 Land und Bund geeignet die Reichweite passt zu Verbindungen über Hunderte bis Tausende Kilometer, als Ergänzung zum Satellitentelefon

Die Einstufung berücksichtigt beide Enden der Reichweite: ob die Technik weit genug trägt und ob sie nicht unnötig weit reicht. Sie ist eine Orientierung. Ob eine Strecke trägt, zeigt nur ein Test mit den tatsächlichen Standorten. Alle Techniken im Vergleich

Die Praxisfrage

Wie verbindet man weit entfernte Standorte, wenn terrestrische Infrastruktur ausgefallen ist?

QO-100 ist die Amateurfunk-Nutzlast des geostationären Satelliten Es’hail-2, der auf 25,9 Grad Ost steht. Er ist von Europa, Afrika, dem Nahen Osten und Teilen Asiens und Südamerikas aus erreichbar. Weil er geostationär ist, bleibt die Antenne einmal ausgerichtet, ohne Nachführung.

Was man dafür braucht

Sicht zum Satelliten
freie Sicht nach Süd-Südost, in Deutschland je nach Standort mit etwa 25 Grad Erhebung im Norden bis 33 Grad im Süden. Richtung und Winkel für den konkreten Standort ausrechnen. Gebäude, Bäume oder Berge im Weg verhindern den Betrieb.
Spiegel
Empfangen wird im 10-GHz-Bereich, gesendet im 2,4-GHz-Bereich. Üblich sind Spiegel von 60 bis 120 cm, die genau ausgerichtet werden müssen.
Sende- und Empfangstechnik
Umsetzer oder spezielle Geräte für 2,4 GHz, empfangsseitig oft ein Satelliten-LNB.
Eigener Empfang
Die Betriebsrichtlinien der AMSAT-DL verlangen, dass jede Station ihr eigenes Signal im Downlink hört, während sie sendet. Wer dafür nur den WebSDR im Internet nutzt, ist bei einem Internetausfall nicht betriebsfähig.
Strom
für Transceiver, Umsetzer, Endstufe, Empfangsweg und Rechner
Aufbauzeit
Aufbau und Ausrichtung brauchen Übung. Portabel ist es möglich, aber nicht in fünf Minuten.

Stärken

  • große Abdeckung: Jede Station in Europa kann jede andere erreichen
  • keine terrestrische Infrastruktur dazwischen
  • keine Abhängigkeit von Tageszeit und Ionosphäre wie bei Kurzwelle

Neben dem Schmalbandtransponder für Sprache und Daten hat QO-100 einen Breitbandtransponder für digitales Amateurfunkfernsehen (DATV) nach DVB-S2. Laut dem Wikipedia-Artikel zu Es’hail 2 passen darauf gleichzeitig zwei Sender in HD-Qualität oder mehrere in Standardqualität. Nach Angaben der AMSAT-DL arbeiten die meisten Stationen mit Symbolraten von 500 kSym/s oder weniger. So kann ein Livebild aus einem Schadensgebiet einen weit entfernten Stab erreichen. Der Aufwand ist aber deutlich höher als im Schmalbandbetrieb, und für Strecken im Kreis gilt dasselbe wie für jeden QO-100-Betrieb: viel zu viel Reichweite.

Grenzen

Keine regionale Frequenzwiederverwendung
Alle Nutzer teilen sich denselben Transponder. Was eine Station sendet, belegt Kapazität im gesamten Ausleuchtungsgebiet.
Viel zu viel Reichweite für regionale Strecken
Eine Aussendung über QO-100 ist auf rund einem Drittel der Erde zu empfangen. Für eine Verbindung im Kreis oder zum Nachbarkreis belegt sie einen weltweit geteilten Transponder für eine Strecke, die UKW, ein Relais oder NVIS ebenso schafft. QO-100 ist für große Entfernungen gedacht: zwischen Ländern, über Grenzen oder in ein weit entferntes Schadensgebiet.
Betriebsdisziplin
Notfunkverkehr braucht Absprachen über Frequenzen und Zeiten, sonst geht er im allgemeinen Betrieb unter.
Ein einzelner Satellit
Ist er gestört, gibt es keine gleichwertige Alternative im Amateurfunk. Umlaufende Amateurfunksatelliten sind jeweils nur wenige Minuten gemeinsam sichtbar und ersetzen keine dauerhafte Verbindung.
Wetter
Starker Regen und Schnee auf dem Spiegel können das Signal dämpfen.

Unterschied zur kommerziellen Satellitentelefonie

Ein Satellitentelefon ist ein fertiges Produkt: auspacken, einschalten, wählen. Es kostet Geld pro Minute, verbindet mit jedem Telefonanschluss und braucht keine Lizenz. QO-100 ist Amateurfunk: kostenlos, aber nur zwischen Funkamateuren, mit mehr Aufbau und ohne Verbindung ins Telefonnetz. Für eine Behörde ist das Satellitentelefon die erste Wahl, QO-100 eine mögliche Ergänzung für Funkamateure mit entsprechender Ausrüstung.

Vor dem Einsatz testen

  1. Mögliche Standorte auf Sicht zum Satelliten prüfen.
  2. Aufbau und Ausrichtung mit der Stoppuhr messen.
  3. Eigenen Downlink-Empfang ohne Internet nachweisen.
  4. Mit der Gegenstelle feste Frequenz, Zeiten und einen unabhängigen Rückfallweg vereinbaren.

Quellen