Blackout in Spanien 2025: als die Akkus der Polizeirelais leer waren

Am 28. April 2025 fiel auf der Iberischen Halbinsel großflächig der Strom aus. Am Abend waren in der Provinz Pontevedra die Akkus der Funkrelais der Guardia Civil leer, und Funkamateure des staatlichen Netzes REMER sprangen ein. Der Fall zeigt, wie lange Notstrom wirklich reicht, und dass ein Netz auf dem Papier noch kein Einsatzablauf ist.

Art des Beispiels: dokumentierter Einsatz auf Provinzebene, berichtet von spanischer Regionalpresse, ergänzt um eine kritische Diskussion im Forum des spanischen Amateurfunkverbands URE. Ein amtlicher Gesamtbericht zur Rolle der Funkamateure liegt uns nicht vor.

Die Lage

Am 28. April 2025 um 12:33 Uhr fiel auf der Iberischen Halbinsel großflächig der Strom aus. In weiten Teilen Spaniens und Portugals standen Bahnen, Ampeln und Aufzüge still, Mobilfunk und Internet fielen nach und nach aus, als die Notstromreserven der Anlagen erschöpft waren. In vielen Regionen kam der Strom erst am späten Abend oder in der Nacht zurück.

Für die Planung in Deutschland ist das ein fast lehrbuchhaftes Szenario: kein Unwetter, keine zerstörten Straßen, nur Stromausfall. Genau das Szenario, das der Beitrag Blackout: Was ohne Strom noch funktioniert beschreibt.

Neun Stunden: Pontevedra

In der galicischen Provinz Pontevedra verlor die Guardia Civil um 21:30 Uhr ihre Funkverbindungen, weil die Akkus ihrer Relaisstationen leer waren. Das war rund neun Stunden nach Beginn des Stromausfalls. Freiwillige des staatlichen Funkamateurnetzes REMER installierten daraufhin eine Funkstation in der Kommandantur der Guardia Civil und hielten Verbindung zu Funkamateuren an verschiedenen Punkten der Provinz.

Im Februar 2026 ehrte der Vertreter der Zentralregierung in der Provinz 15 REMER-Mitglieder. Die Lokalzeitung zitiert aus der Feierstunde den Satz, dass dort, wo ein milliardenschwerer Konzern versagt habe, REMER funktioniert habe.

Zamora: Geräte verleihen, Reisende informieren

In der Provinz Zamora hat REMER seine Leitstation im Koordinierungsraum der Vertretung der Zentralregierung, mit Notstrom über ein Aggregat, und zwei eigene Relais. Nach Angaben des Provinzkoordinators taten die Funkamateure während des Blackouts vor allem vier Dinge:

  • eine landesweit festgelegte Hörfrequenz besetzen
  • örtliche Informationen über Stromversorgung und Kommunikationsprobleme sammeln
  • tragbare Funkgeräte an Sicherheitskräfte ausleihen, deren Relais ohne Strom waren
  • an Bahnhöfen und Busbahnhöfen gestrandete Reisende ohne Mobilfunk informieren

Der Koordinator betont den entscheidenden Punkt: Die eigenen Geräte laufen mit eigenen Akkus und hängen weder am Stromnetz noch am Internet.

Die Kritik: kein Einsatzablauf

Im Forum des Amateurfunkverbands URE wurde der Tag deutlich kritischer ausgewertet. Die wichtigsten Punkte:

  • Keine formelle Aktivierung: Nach Darstellung mehrerer Teilnehmer gab es weder eine offizielle Aktivierung noch eine erkennbare Einsatzorganisation. Hilfe entstand dort, wo einzelne Gruppen selbst handelten.
  • Keine Informationen nach außen: REMER habe mitgehört, aber keine Lageinformationen für andere Funkamateure verbreitet.
  • Was funktionierte: analoge Relais mit Akkupufferung, etwa in Navarra und im Baskenland. Mit einem einfachen 2-m-Handfunkgerät blieb man informiert. Auf 40 m organisierten Funkamateure überregionale Frequenzen.

Die Aussagen widersprechen sich nicht. Sie beschreiben verschiedene Provinzen. Wo eine REMER-Gruppe vorher mit der Behörde vor Ort eingespielt war, wie in Pontevedra und Zamora, lief die Hilfe. Wo nicht, blieb es bei Eigeninitiative. Wie REMER aufgebaut ist, beschreibt der Beitrag Spanien: Funkamateure im staatlichen Notfunknetz REMER.

Die eigentliche Lehre

Die wichtigste Zahl aus diesem Fall sind die neun Stunden bis zum Ausfall der Polizeirelais. Wer im Kreis eine Rückfallebene plant, muss wissen, wie lange die vorhandene Infrastruktur ohne Netzstrom tatsächlich durchhält, und ab welcher Stunde die Rückfallebene gebraucht wird. Die zweite Lehre: Ein staatliches Netz auf dem Papier ersetzt nicht die eingespielte Zusammenarbeit vor Ort.

Was auf Deutschland übertragbar ist, und was nicht

ÜbertragbarNicht ohne Weiteres übertragbar
die Frage, nach wie vielen Stunden welche Systeme ohne Netzstrom ausfallenREMER-Mitglieder funken im Einsatz auf Frequenzen des Zivilschutzes; deutsche Funkamateure dürfen nicht auf BOS-Frequenzen senden
eine Amateurfunkstation mit eigenem Notstrom direkt in der Führungsstelleein landesweites staatliches Netz, das von der Zentralregierung aktiviert werden kann
Informationen für die Bevölkerung an Orten, an denen Menschen strandenFunkgeräte an Einsatzkräfte verleihen: Auf Amateurfunkfrequenzen darf in Deutschland nur senden, wer selbst eine Amateurfunkzulassung hat

Fragen für die eigene Planung

  • Wie lange halten die Relais und Basisstationen in unserem Kreis ohne Netzstrom durch? Wer weiß das verbindlich?
  • Wer löst bei uns die Rückfallebene aus, und woran erkennen die Funkamateure, dass sie gebraucht werden?
  • Wo stranden bei einem Blackout Menschen, die Informationen brauchen?

Quellen