Rückfallebenen für jede Verbindung planen

Funkplan und Fernmeldeskizze zeigen, welche Verbindungen es gibt und über welchen Kanal sie laufen. Was gilt, wenn dieser Weg ausfällt, steht dort nicht. Dafür werden für jede Verbindung Rückfallebenen festgelegt: bis zu vier Wege, die nicht an derselben Stelle ausfallen, ein Kriterium für den Wechsel und eine zuständige Person.

Funkplan, Fernmeldeskizze und was darin fehlt

Die Feuerwehr-Dienstvorschrift 100 kennt zwei Arbeitsmittel für die Kommunikation im Einsatz. Der Funkplan ist eine Tabelle aller eingesetzten Funkgeräte mit Dienststellen, Rufnamen, Betriebskanälen, Gegenstellen und Verkehrsart. Die Fernmeldeskizze stellt dieselben Verbindungen bildlich dar und zeigt, wer wen erreichen kann. Beides erarbeitet das Sachgebiet S6 als Teil seines Kommunikationskonzepts, zu dem ausdrücklich auch die Absicherung durch Redundanz gehört.

Funkplan und Fernmeldeskizze beschreiben den Betrieb, wie er vorgesehen ist. Was gilt, wenn das Telefonnetz ausfällt, der Kanal nicht mehr erreichbar ist oder das Relais keinen Strom hat, steht dort nicht. Diese Lücke schließen Rückfallebenen: für jede Verbindung eine feste Reihenfolge von Wegen, die nicht an derselben Stelle ausfallen.

Die Methode: vier Ebenen nach PACE

Ein bewährtes Schema dafür stammt aus dem US-Militär und wird inzwischen auch im Bevölkerungsschutz empfohlen, etwa von der US-Behörde CISA. Es ist nach den Anfangsbuchstaben seiner vier Ebenen benannt.

Primär (Primary)
der Weg im Normalbetrieb, etwa Telefon oder BOS-Digitalfunk
Alternative (Alternate)
sofort nutzbar und möglichst mitgehört, zum Beispiel ein besetztes 2-m-Relais
Ausweichweg (Contingency)
braucht Vorbereitung oder Aufbau und wird nicht dauernd abgehört, deshalb mit festen Rufzeiten, etwa Kurzwelle zur vollen Stunde
Notweg (Emergency)
langsam und aufwendig, aber unabhängig von Technik, meist ein Melder

Entscheidend ist nicht die Zahl der Ebenen, sondern ihre Unabhängigkeit. Zwei Mobilfunknetze sind keine zwei Ebenen, wenn beide am selben Stromausfall hängen. Ein Relais und ein Internetzugang am selben Standort sind es ebenso wenig. Für jeden Weg gehört deshalb die Frage auf den Tisch, woran er hängt: Strom, Netz, Standort, Betreiber, Personal. Und dann: Hängt der nächste Weg an denselben Dingen?

Geplant wird pro Verbindung, nicht pro Einheit. Die Verbindung zwischen Führungsstab und Anlaufstelle (z. B. Notfallinfopunkt) kann andere Ebenen brauchen als die zwischen Führungsstab und Nachbarkreis.

Was für jede Verbindung festgelegt wird

Verbindung
beide Endpunkte, jeweils mit Rufzeichen oder Rufname
Wege
Primär, Alternative, Ausweichweg und Notweg, jeweils mit ihren Abhängigkeiten
Wechselkriterium
Wann wird auf die nächste Ebene gewechselt, und wer entscheidet? Zum Beispiel: Telefon 15 Minuten gestört.
Rückkehr
Wann gilt der Primärweg wieder, und wer gibt das bekannt?
Erreichbarkeit
Betriebszeiten der Stelle und feste Rufzeiten für Ebenen, die nicht dauernd besetzt sind
Zuständigkeit
Wer betreibt den Weg, mit Vertretung?
Stromautonomie
gemessene Laufzeit jeder Stelle ohne Netzstrom
Dokumentation
Wo wird protokolliert, und wann wurde der Weg zuletzt getestet?

Kanäle, Frequenzen und Gesprächsgruppen stehen weiterhin im Funkplan. Die Rückfallebenen verweisen darauf, statt sie zu wiederholen. So muss bei einer Änderung nur eine Stelle gepflegt werden.

Mustermatrix

VerbindungPrimärAlternativeAusweichwegNotwegWechselZuständig
Führungsstab und Notunterkunft SporthalleTelefon2-m-Relais2 m direkt, Rufzeit volle StundeMelderTelefon 15 Min. gestörtS6, Vertretung benannt
Führungsstab und NachbarkreisTelefon / E-MailSatellitentelefonKurzwelle NVIS 80/40 m, Rufzeit volle StundeKurier mit Fahrzeugauf Anordnung S6S6 und Notfunk-Ansprechpartner

Die Zeilen sind Beispiele. In der ersten Zeile laufen Alternative und Ausweichweg über dieselbe Funkstelle: Fällt dort der Strom aus, sind beide Ebenen weg. Das lässt sich bewusst in Kauf nehmen, muss aber erkannt und mit einer gemessenen Akkulaufzeit abgesichert sein. Jede Zeile gilt erst als verlässlich, wenn sie getestet ist.

Häufige Fehler

  • Ebenen mit derselben Abhängigkeit, etwa zwei Mobilfunknetze oder Relais und Internetzugang am selben Standort
  • kein Kriterium, wann gewechselt wird, und niemand, der es entscheidet
  • Ausweichweg ohne feste Rufzeit, die Gegenstelle hört im entscheidenden Moment nicht zu
  • niemand weiß, wo die aktuelle Fassung liegt, und sie ist nur digital gespeichert
  • keine Ebene wurde je in einer Ausfallübung geprüft

So planen Sie die Rückfallebenen

  1. Alle Verbindungen auflisten, die im Ausfall gebraucht werden, etwa anhand der Fernmeldeskizze.
  2. Für jede Verbindung bis zu vier Wege festlegen und bei jedem notieren, woran er hängt.
  3. Wege mit gleicher Abhängigkeit ersetzen oder die gemeinsame Schwachstelle absichern.
  4. Wechselkriterium, Rückkehr, Zuständigkeit und Rufzeiten eintragen.
  5. Das Ergebnis mit S6 abstimmen, ausdrucken und zusammen mit dem Funkplan an jeder Stelle hinterlegen.
  6. Jede Ebene testen und das Testdatum eintragen.

Quellen