Was Jedermannfunk ist
PMR446, Freenet und CB-Funk sind Funkdienste für die Allgemeinheit. Wer sie nutzt, braucht weder Prüfung noch Rufzeichen noch Anmeldung. Die Bundesnetzagentur stellt die Frequenzen per Allgemeinzuteilung bereit und legt darin fest, mit welchen Geräten und welcher Leistung gesendet werden darf. Die Geräte gibt es im Handel und oft schon im Haushalt, etwa als Handfunkgeräte für Wandern, Baustelle oder Campingplatz.
| Dienst | Frequenzen | Kanäle | Sendeleistung | Geräte und Antennen |
|---|---|---|---|---|
| PMR446 | 446,0–446,2 MHz | 16 analoge Kanäle, dazu digitale Kanäle (dPMR446, DMR446) | 0,5 W ERP | nur Handfunkgeräte mit fest angebauter Antenne, europaweit nutzbar |
| Freenet | 149,01875–149,11875 MHz | 6 Kanäle analog oder digital, 12 weitere nur digital | 1 W ERP, nahe der Grenze zu Belgien und Polen 0,5 W | nur Handfunkgeräte mit eigenem Akku und Antenne am Gerät, nur in Deutschland zugelassen |
| CB-Funk | 26,565–27,405 MHz | 80 Kanäle, davon 40 mit AM, FM und SSB, 40 nur mit FM | 4 W in FM und AM, 12 W PEP in SSB | Hand-, Fahrzeug- und Feststationen, Außenantennen erlaubt |
Digitale Kanäle von PMR446 und Freenet sind mit analogen Geräten nicht kompatibel, und dPMR und DMR untereinander ebenfalls nicht. Für die Bevölkerung zählen deshalb praktisch nur die analogen Kanäle.
Der wichtigste Unterschied: Feststation oder nicht
Die Reichweite eines Funkgeräts hängt vor allem von der Antennenhöhe ab. Genau hier unterscheiden sich die drei Dienste grundlegend.
- PMR446 und Freenet
- Erlaubt sind nur Handfunkgeräte. Feststationen, Antennen auf dem Dach oder über ein Kabel sowie Relais sind nicht zulässig. Für Freenet hat die Bundesnetzagentur das zum 1. Oktober 2025 noch einmal ausdrücklich festgeschrieben, dazu das Verbot von Netzteilbetrieb und Gateways ins Internet. Neu sind diese Regeln nach ihrer Begründung nicht, sie wurden in der Praxis aber oft anders gehandhabt. Eine Anlaufstelle kann ihre Reichweite also nicht mit einer Dachantenne vergrößern.
- CB-Funk
- Feststationen mit Außenantenne sind erlaubt. Eine Anlaufstelle kann eine CB-Station mit hoch montierter Antenne betreiben und damit deutlich weiter hören und senden als jedes Handfunkgerät. Dafür ist eine wirksame Antenne für 27 MHz mehrere Meter lang, und die Station braucht eine eigene Stromversorgung.
Realistisch sind mit PMR446 und Freenet in bebautem Gebiet oft nur einige hundert Meter, im offenen Gelände und von erhöhten Standorten einige Kilometer. CB-Handgeräte kommen ähnlich weit. CB-Feststationen mit guter Außenantenne erreichen je nach Gelände und Störpegel etwa 10 bis 30 Kilometer. Gelegentlich trägt die Ionosphäre CB-Signale über Hunderte Kilometer. Das ist nicht planbar und bringt vor allem Störungen durch weit entfernte Stationen auf den eigenen Kanal.
Einsatzbereiche nach Ebene
- Nachbarschaft
- Nachbarn im Haus, in der Straße oder auf dem Hof verständigen sich mit PMR446 oder Freenet. Die Geräte sind günstig, ohne Einweisung bedienbar, und ihre kurze Reichweite passt genau zu dieser Ebene. Eine CB-Feststation reicht dafür viel zu weit und belegt den Kanal für einen großen Umkreis.
- Bürger und Anlaufstelle
- Mit PMR446 oder Freenet nur im nahen Umkreis, weil auch die Anlaufstelle an ihr Handfunkgerät gebunden ist. Mit einer CB-Feststation kann die Anlaufstelle einen ganzen Ort abdecken, sofern die Bürger ein CB-Gerät haben.
- Örtliche Führung
- Innerhalb eines Geländes oder Einsatzabschnitts brauchbar, etwa zwischen Helfern an einer Verteilstelle. Zwischen Anlaufstelle und Einsatzleitung nur mit CB-Feststationen und nur als Rückfall.
- Kreis und darüber
- PMR446 und Freenet reichen nicht. CB-Funk ist zwischen gut ausgebauten Feststationen im Kreisgebiet möglich, aber nicht verlässlich planbar. Für diese Strecken sind Relaisfunk, NVIS oder MeshCore mit festen Repeatern gedacht.
Die Einstufung aller Techniken steht im Vergleich nach Ebenen.
Grenzen im Ereignis
- Niemand hört verbindlich zu
- Keiner der drei Dienste hat einen überwachten Notrufkanal. CB-Kanal 9 gilt traditionell als Notrufkanal, wird aber von keiner Stelle verbindlich abgehört. Ein Hilferuf erreicht nur, wer zufällig gerade auf demselben Kanal hört.
- Offene Kanäle
- Jeder kann mithören und jeder kann senden. Es gibt keinen Vorrang für dringende Meldungen und keine Vertraulichkeit. Namen, Adressen und Gesundheitsdaten gehören nicht in diesen Funkverkehr.
- Überlastung
- Im Ereignis greifen viele Menschen gleichzeitig zum Funkgerät. Wenige Kanäle, die sich alle teilen, sind dann schnell belegt, gerade bei PMR446 mit den am weitesten verbreiteten Geräten.
- Hörfehler
- Wie jede Sprachübertragung ist Jedermannfunk fehleranfällig bei Zahlen, Namen und Adressen, und nichts wird automatisch dokumentiert. Wer an der Anlaufstelle Meldungen annimmt, schreibt mit und liest zurück, wie bei jeder Nachrichtenübermittlung.
- Unterdrückungstöne
- Viele PMR-Geräte werden mit eingestelltem CTCSS-Ton betrieben. Das Gerät öffnet dann nur für Stationen mit demselben Ton, alle anderen bleiben stumm. An einer Anlaufstelle gehört der Ton deshalb abgeschaltet, sonst gehen Rufe verloren.
- Störpegel auf 27 MHz
- In Wohngebieten stören Schaltnetzteile, LED-Treiber und Solaranlagen den CB-Empfang oft deutlich. Bei Stromausfall wird es ruhiger, mit Notstrom und Wechselrichtern kann es wieder lauter werden.
Sprache oder Text: Jedermannfunk und Mesh
Neben dem Jedermannfunk können Bürger auch MeshCore und Meshtastic ohne Prüfung nutzen. Beide ergänzen sich. Jedermannfunk überträgt Sprache sofort, ohne Smartphone und ohne vorher aufgebautes Netz, reicht aber nur so weit wie das einzelne Gerät. Mesh überträgt kurze Texte, die schriftlich und dokumentiert ankommen und über andere Knoten weitergereicht werden. Dafür braucht es ein Netz, das vor dem Ereignis aufgebaut wurde. Für eine Anlaufstelle ist beides sinnvoll: ein Funkgerät für die Rückfrage und ein Mesh-Knoten für Meldungen, die weitergegeben werden.
Was vor dem Ereignis erledigt sein muss
- Kanal festlegen und bekannt machen
- Die Anlaufstelle legt je Dienst einen Kanal fest und veröffentlicht ihn vorher, etwa im Aushang, im Gemeindeblatt und auf der Website. Ohne bekannten Kanal findet niemand die Anlaufstelle.
- Hörwache organisieren
- Ein Funkgerät nützt nur, wenn an der Anlaufstelle jemand zuhört und die Meldungen annimmt. Wer die Hörwache übernimmt, gehört in die Einsatzplanung der Anlaufstelle.
- Weitergabe klären
- Was an der Anlaufstelle per Jedermannfunk ankommt, muss auf einem anderen Weg zur Einsatzleitung, etwa über BOS-Funk, Amateurfunk oder Mesh. Diese Kette muss vorher festgelegt und geübt sein.
- Strom
- Handfunkgeräte mit Akku halten je nach Nutzung einen bis einige Tage. Ersatzakkus, Batteriefächer für handelsübliche Batterien oder Lademöglichkeiten verlängern das. Eine CB-Feststation braucht Batterie und Ladung wie jede andere Funkstelle.
- Standort der Anlaufstelle
- Mit PMR446 und Freenet zählt jeder Meter Höhe. Wer das Handfunkgerät an einem Fenster im Obergeschoss oder auf einer Anhöhe hält, gewinnt meist mehr Reichweite als durch jedes andere erlaubte Mittel. Die Reichweite in den Ort hinein wird vorher mit einem einfachen Test gemessen.
Einordnung
Jedermannfunk schließt die Lücke, die der Amateurfunk nicht schließen darf: Bürgerinnen und Bürger ohne Prüfung können selbst senden. PMR446 und Freenet sind die naheliegenden Geräte für die Nachbarschaft, CB-Funk mit einer Feststation das stärkste lizenzfreie Mittel, um eine Anlaufstelle für einen ganzen Ort erreichbar zu machen. Alle drei tragen aber nur so weit, wie vorher geregelt ist, wer auf welchem Kanal zuhört und wohin die Meldungen gehen. Konzepte unter dem Namen „Bürgernotfunk“ bauen genau darauf auf. Mit Notfunk im Sinne des Amateurfunks ist das nicht zu verwechseln.
Was ein eigener Test messen sollte
- Reichweite von der Anlaufstelle in die Straßen des Orts, mit Handfunkgerät im Erdgeschoss und im Obergeschoss
- Reichweite einer CB-Feststation mit Außenantenne im Vergleich
- Belegung der Kanäle zu verschiedenen Tageszeiten
- Verständlichkeit von Adressen und Zahlen mit Rücklesen
- Akkulaufzeit bei regelmäßiger Hörwache