Die Praxisfrage
Kann eine Notfunkgruppe mit wenig Aufwand ein eigenes Datennetz aufbauen, das sich selbst organisiert und ausgefallene Knoten umgeht?
Mit AREDN ja. Weil sich das Mesh selbst organisiert, ist auch ein Aufbau erst in der Lage denkbar. Je mehr Knoten eingerichtet und Standorte vorher erprobt sind, desto schneller steht das Netz. AREDN macht aus handelsüblichen WLAN-Geräten ein Mesh-Netz auf Amateurfunkfrequenzen. Über dieses Netz laufen dieselben Dienste wie in einem Büronetz: E-Mail, Telefon, Chat, Webseiten und Dateien.
Was AREDN ist
AREDN steht für Amateur Radio Emergency Data Network. Die freie Firmware ist aus dem Projekt Broadband-Hamnet (BBHN) hervorgegangen und wird von einem ehrenamtlichen Entwicklerteam als Open Source gepflegt. Sie ersetzt die Herstellersoftware eines WLAN-Geräts durch ein angepasstes OpenWrt, ein freies Linux für Router. Das Projekt nennt als Ziel, dass Funkamateure schnell und einfach Hochgeschwindigkeits-Datennetze aufbauen können, wo und wann sie gebraucht werden, auch ohne Netzwerkfachwissen. Ein AREDN-Netz arbeitet vollständig ohne Internet.
Aktuell ist die Version 4.26.7.0 vom 11. Juli 2026. Sie basiert auf OpenWrt 25.12 und bringt unter anderem Unterstützung für neue Geräte mit WLAN-6-Chips. Neue Versionen erscheinen mehrmals im Jahr. Was ein AREDN-Knoten mitbringt:
- Mesh-Routing: Knoten finden ihre Nachbarn selbst und berechnen die besten Wege durch das Netz. Neuere Versionen nutzen dafür das Routingprotokoll Babel, das das ältere OLSR abgelöst hat. Babel bildet laut Projekt keine Routingschleifen, sendet Änderungen nur bei Bedarf und unterscheidet Funk-, Kabel- und Tunnelverbindungen.
- Selbstkonfiguration: Jeder Knoten leitet seine IP-Adresse aus der Hardwareadresse ab und heißt nach dem Rufzeichen seines Betreibers. Einen Adressplan braucht es nicht.
- Dienste im Netz: Ein Telefonserver, ein Chat oder eine Lagekarte wird am Knoten eingetragen und ist dann im ganzen Netz unter seinem Namen auffindbar.
- Weboberfläche: Einrichtung, Kanalwahl und die Qualität jeder Verbindung lassen sich im Browser einsehen.
- Tunnel: Knoten oder ganze Netzinseln lassen sich über das Internet oder über HAMNET miteinander verbinden.
Die eigentliche Stärke: das Mesh
Eine klassische Richtfunkstrecke verbindet genau zwei Punkte. Wer drei Standorte vernetzen will, plant drei Strecken, legt fest, welches Gerät Zugangspunkt und welches Station ist, vergibt Frequenzen und Adressen. Fällt ein Gerät aus, ist die Strecke weg, bis jemand sie repariert oder umplant.
In einem AREDN-Netz arbeiten alle Knoten eines Gebiets auf demselben Kanal, und jeder verbindet sich mit jedem, den er hört. Das hat Folgen, die im Notfunk den Ausschlag geben:
- Aufbau ohne Planung jeder Verbindung
- Ein vorkonfigurierter Knoten wird aufgestellt, mit Strom versorgt und grob ausgerichtet. Er tritt dem Netz von selbst bei, seine Dienste sind sofort erreichbar. Timm Schunck (DL4FLY) beschreibt das als „Einstecken, hinstellen, der Rest erfolgt automatisch.“
- Selbstheilung
- Das Netz bewertet die Qualität jeder Verbindung laufend. Fällt ein Knoten oder eine Verbindung aus, laufen die Daten über einen anderen Weg, sofern es einen gibt. Ringe und Querverbindungen entstehen von selbst, statt aufwendig geplant zu werden.
- Wachsen im Einsatz
- Ein zusätzlicher Knoten auf einem Turm oder Fahrzeug erweitert das Netz, ohne dass an den übrigen Knoten etwas geändert werden muss. Selbst die Nebenkeule einer Richtantenne kann reichen, um einen Knoten in 50 m Entfernung anzubinden, obwohl beide Antennen in andere Richtungen zeigen.
- Ein Netz für alle Dienste
- Für die Nutzer verhält sich das Mesh wie ein lokales Netzwerk. Telefon, E-Mail, Chat und Webanwendungen laufen ohne Anpassung, egal über wie viele Knoten die Daten gehen.
Das Mesh hat auch Grenzen, die man kennen sollte. Ein Knoten kann nicht gleichzeitig empfangen und weitersenden. Jeder zusätzliche Funksprung auf demselben Kanal kostet deshalb Datenrate. Knoten, die sich gegenseitig nicht hören, aber denselben Nachbarn erreichen, können sich stören. Die AREDN-Dokumentation empfiehlt daher, stark belastete Hauptverbindungen auf einen eigenen Kanal oder ein anderes Band zu legen und Knoten am selben Standort per Kabel zu verbinden. Und auch ein Mesh braucht Sichtverbindung: Hohe Standorte bleiben entscheidend.
Möglichkeiten in der Lage
Das Mesh kommt der Arbeitsweise der BOS in einer Lage entgegen: Knoten können dorthin, wo sie gebraucht werden, und das Netz ordnet sich selbst. Ein denkbares Szenario: Die Einsatzleitung im Rathaus, zwei Feuerwehrhäuser und eine Anlaufstelle haben keine Sicht zueinander. Ein Knoten auf dem Dach des höchsten Gebäudes im Ort könnte alle vier sehen. Mit je einem Knoten an jedem Standort, etwa am Fenster, auf dem Dach oder an einem Stativ, entstünde ein Netz. Käme ein Standort hinzu oder fiele der Dachstandort aus, ließe sich ein weiterer Knoten ergänzen, an den übrigen müsste nichts geändert werden.
- Höhe
- Infrage kommen etwa Hochhausdach, Kirch- oder Feuerwehrturm, Drehleiter oder der Lichtmast eines Fahrzeugs. Für einen zentralen Knoten bietet sich eine Sektor- oder Rundstrahlantenne an, an Außenstellen ein Gerät mit eingebauter Richtantenne.
- Kabel und Strom
- Ein Netzwerkkabel überträgt Daten und Strom (PoE) nach Ethernet-Standard bis etwa 100 m. Jeder Knoten braucht nur wenige Watt, als Quelle kämen etwa Akku, USV oder ein vorhandenes Aggregat infrage.
- Vorbereitung
- Zeit kostet vor allem das Aufspielen der Firmware und die Einrichtung auf Rufzeichen und gemeinsamen Kanal. Wer diese Möglichkeit in Betracht zieht, kann Knoten eingerichtet mit Halterung, Kabel und PoE-Einspeisung bereithalten.
- Rechtlicher Rahmen
- Rechtlich ist unter anderem zu klären, unter welcher Zulassung eine solche Station läuft. Ein Knoten, der unbeaufsichtigt Verkehr für andere weiterleitet, kann als automatisch arbeitende Station gelten, die eine eigene Zuteilung braucht, siehe Rechtslage. Ob ein solcher Aufbau im Einzelfall infrage kommt, technisch, organisatorisch und rechtlich, etwa bei Arbeitssicherheit, Einsatz von Fahrzeugen und Zulassung der Funkstelle, entscheiden die Verantwortlichen vor Ort.
AREDN oder normale WLAN-Bridge?
Dieselben Geräte, die AREDN nutzt, lassen sich mit Herstellerfirmware als lizenzfreie WLAN-Richtfunkstrecke betreiben. Der Unterschied liegt in Frequenzen, Leistung, Netzaufbau und darin, wer das Netz betreiben darf.
| Merkmal | WLAN-Bridge mit Herstellerfirmware | AREDN |
|---|---|---|
| Frequenzen | 2,4 GHz und 5,470–5,725 GHz, geteilt mit allen WLAN-Anlagen der Umgebung | Amateurfunkbänder bei 2,3–2,45, 3,4 und 5,65–5,85 GHz, großteils außerhalb der Kanäle, die WLAN-Geräte nutzen dürfen |
| Leistung | höchstens 100 mW (2,4 GHz) oder 1 W (5 GHz) EIRP, also einschließlich Antennengewinn | Senderleistung bis 75 W PEP (Klasse A) oder 5 W PEP (Klasse E), der Antennengewinn kommt hinzu; für automatisch arbeitende Stationen gelten die Werte der Zuteilung |
| Kanalbreite | 20 MHz und mehr | 5 oder 10 MHz: weniger Datenrate, aber empfindlicher, also mehr Reichweite, und mehr freie Kanäle |
| Radar | im 5-GHz-Band Pflicht zur Radarerkennung, bei Radar wechselt der Kanal und die Strecke setzt kurz aus | keine Radarerkennung nach WLAN-Regeln, dafür ist der Amateurfunk in diesen Bändern nur sekundär: Primärnutzer dürfen nicht gestört werden |
| Netzaufbau | feste Punkt-zu-Punkt- oder Punkt-zu-Mehrpunkt-Strecken, Rollen der Geräte vorab festgelegt | Mesh: jeder Knoten verbindet sich mit jedem erreichbaren und leitet weiter |
| Ausfall eines Geräts | Strecke unterbrochen, Umbau von Hand | automatische Umleitung, wenn ein anderer Weg besteht |
| Adressen und Namen | manuell vergeben und dokumentiert | automatisch, Knotennamen mit Rufzeichen, Dienste netzweit angekündigt |
| Inhalte | alles, auch verschlüsselt und Internet für Bürger | keine Verschlüsselung, nur Amateurfunkzwecke, kein Internetzugang für Dritte |
| Betreiber | jeder, etwa Gemeinde, IT oder Feuerwehr | nur Funkamateure der Klassen A und E |
Für eine Gemeinde, die das Internet eines Satellitenterminals an Anlaufstellen weiterreichen will, ist die lizenzfreie Bridge der richtige Weg. Für ein eigenes, belastbares Notfunknetz der Funkamateure spricht vieles für AREDN: freiere Kanäle, mehr Leistungsreserve und ein Netz, das sich selbst organisiert und Ausfälle umgeht. Beide können nebeneinander bestehen.
Frequenzen und Kanäle in Deutschland
AREDN-Geräte arbeiten in Bändern, die direkt neben oder teilweise über den WLAN-Bändern liegen. Die Herstellerfirmware sperrt diese Kanäle, weil sie für den lizenzfreien Betrieb nicht zugelassen sind. Erst die AREDN-Firmware macht sie für Funkamateure nutzbar. Maßgeblich ist in Deutschland die Amateurfunkverordnung (AFuV), nicht der US-Bandplan, auf den sich die AREDN-Dokumentation bezieht.
| Band | Frequenzen | Klasse A | Klasse E | Bandbreite | Bedeutung für AREDN |
|---|---|---|---|---|---|
| 13 cm | 2320–2450 MHz | 75 W PEP | 5 W PEP | höchstens 10 MHz | Geräte für 2,4 GHz; AREDN bietet hier auch „negative“ Kanäle unterhalb des WLAN-Kanals 1. HAMNET-Benutzerzugänge liegen auf 2362, 2392 und 2397 MHz mit 5 MHz Bandbreite. |
| 9 cm | 3400–3475 MHz | 75 W PEP | 5 W PEP | höchstens 10 MHz | nur mit älteren Ubiquiti-Geräten der M3-Reihe, kaum noch erhältlich |
| 6 cm | 5650–5850 MHz | 75 W PEP | 5 W PEP | höchstens 10 MHz | das wichtigste Band für AREDN in Deutschland; HAMNET-Strecken nutzen hier 5675–5825 MHz im 10-MHz-Raster |
In allen drei Bändern ist der Amateurfunk sekundärer Funkdienst. Inhaber der Einsteigerklasse N dürfen sie nicht nutzen.
- Höchstens 10 MHz
- Die AFuV begrenzt die belegte Bandbreite in diesen Bändern auf 10 MHz. Die 20-MHz-Kanäle, die AREDN anbietet, sind in Deutschland damit nicht zulässig. In der Praxis sind 10 MHz ohnehin ein guter Ausgangswert, 5 MHz bringen auf langen oder gestörten Strecken mehr Reserve.
- Kanalnummern im 6-cm-Band
- AREDN zählt die Kanäle wie WLAN: Kanalnummer mal 5 MHz plus 5000 MHz ergibt die Mittenfrequenz. Kanal 131 liegt bei 5655 MHz, Kanal 169 bei 5845 MHz. Bei 10 MHz Bandbreite bleiben Kanäle zwischen 131 und 169 innerhalb des deutschen Bandes. Das AREDN-Netz in Ulm arbeitet etwa auf Kanal 169.
- Mit HAMNET abstimmen
- AREDN und HAMNET teilen sich dieselben Bänder. Vor der Kanalwahl lohnt der Blick in die HAMNET-Datenbank und ein Gespräch mit den Betreibern der Knoten in Reichweite.
- 900 MHz und HaLow
- AREDN unterstützt auch Geräte für 900 MHz und den neuen WLAN-Standard HaLow (802.11ah). Sie nutzen das US-Amateurfunkband 902–928 MHz, das es in Deutschland nicht gibt. Hier sind sie im Amateurfunk nicht einsetzbar.
- Unbeaufsichtigte Knoten
- Wer einen Knoten selbst bedient, sendet mit seiner persönlichen Zulassung. Ein Knoten, der dauerhaft und unbeaufsichtigt auf einem Turm oder Dach läuft, ist eine automatisch arbeitende Amateurfunkstelle. Sie braucht nach § 13 AFuV eine eigene Rufzeichenzuteilung der Bundesnetzagentur, der eine Verträglichkeitsprüfung für den Standort vorausgeht. Das gilt genauso für HAMNET-Knoten und Relais und braucht Vorlauf.
Unterstützte Hardware
AREDN läuft nur auf Geräten, für die das Projekt eine eigene Firmware baut. Die Liste ändert sich mit jeder Version. Vor dem Kauf deshalb immer die aktuelle Liste der unterstützten Geräte prüfen, und zwar mit genauer Modellbezeichnung und Hardwareversion: Zwischen zwei Revisionen desselben Geräts kann der Unterschied zwischen „läuft“ und „läuft nicht“ liegen.
Die Liste unterscheidet fünf Stufen. Released heißt: in der aktuellen Version enthalten. Nightly: neu unterstützt, bisher nur in Entwicklungsversionen. Sunset: noch unterstützt, aber nicht mehr für Neuanschaffungen empfohlen. Frozen: früher auslaufend, jetzt ohne weitere Updates. Not supported: keine Firmware verfügbar.
| Hersteller | Geräte (Beispiele) | Band | Hinweise |
|---|---|---|---|
| Ubiquiti airMAX M | NanoStation M2/M5 und Loco M2/M5, Bullet M2, Rocket M2/M5, PowerBeam M5, LiteBeam M5, Rocket M3 | 2,4, 3,4 und 5,8 GHz | Die Klassiker vieler Netze, gebraucht günstig zu bekommen. Ältere Modelle mit wenig Speicher bekommen keine Updates mehr. |
| Ubiquiti airMAX AC | NanoBeam 5AC, LiteBeam 5AC Gen2 und LR, PowerBeam 5AC, NanoStation 5AC, Rocket 5AC Lite, LiteAP 5AC, NanoBeam 2AC | 5,8 GHz, NanoBeam 2AC 2,4 GHz | Installation nur ausgehend von der Herstellerfirmware airOS 8.7.0 oder 8.7.4. |
| MikroTik | SXTsq 5, LHG 5 und LHG XL HP5, LDF 5, QRT 5, mANTBox 15s/19s, RB911G und RB912UAG, LHG 2, LDF 2 | 2,4 und 5,8 GHz | Richtantennen-Geräte für Strecken und Sektoren. |
| MikroTik Router | hAP ac², hAP ac³ | 2,4 und 5 GHz | Router mit mehreren Netzwerkanschlüssen, etwa für Dienste, Tunnel und den WLAN-Zugang vor Ort. Der ältere hAP ac lite gilt als auslaufend. |
| TP-Link | CPE210, CPE510, CPE605, CPE610, CPE710, WBS210, WBS510 | 2,4 und 5,8 GHz | Günstiger Einstieg; einige Modelle und Hardwareversionen sind noch nicht getestet. |
| GL.iNet | Shadow, Mudi, Slate, Slate Plus, Convexa-B | 2,4 und 5 GHz | Kompakte Reiserouter, etwa für Tunnelknoten oder als Zugang für Laptops und Telefone. |
| Cudy, Zyxel, OpenWrt | Cudy TR1200, TR3000, WR3000; Zyxel NWA55AXE; OpenWrt One | 2,4 und 5 GHz, teils WLAN 6 | Geräte mit WLAN-6-Funkteil (AX) können laut AREDN nur 20 MHz breite Kanäle. Da in Deutschland höchstens 10 MHz erlaubt sind, eignen sie sich hier nur für Aufgaben ohne Mesh-Funk, etwa Tunnel und Dienste. |
| Morse Micro und Partner | HaLowLink, Heltec, Alfa Tube-AHM | 900 MHz (HaLow) | In Deutschland im Amateurfunk nicht nutzbar, siehe oben. |
| PC und virtuelle Maschine | x86 unter Proxmox, VMware ESXi, VirtualBox | kein Funk | Für Supernodes, Tunnelserver und Dienste. |
| Switches | Netgear, Ubiquiti ToughSwitch und EdgeRouter X, Cisco | kein Funk | Vorlagen, um mehrere Knoten an einem Standort per Kabel zu verbinden. |
Für Einsteiger empfehlen Anleitungen gebrauchte Ubiquiti NanoStation M5 oder TP-Link CPE510. Der DARC-Ortsverband Ulm setzt auf NanoStation M5 und MikroTik LHG, eine Notfunkgruppe im Distrikt Franken auf NanoStation Loco M5 und LHG 5, mit hAP ac² oder ac³ als Router am Standort.
Zwei Entwicklungen betreffen die Hardware direkt. Die IP-Koordination des DARC berichtete Anfang 2026, dass geeignete Geräte für HAMNET schlechter verfügbar werden. Das betrifft AREDN genauso, weil viele bewährte Modelle nicht mehr hergestellt werden. Entwarnung gab es dagegen bei der europäischen Funkanlagenrichtlinie: Die EU-Kommission hat im Januar 2026 die Pläne verworfen, nach denen Hersteller das Aufspielen fremder Firmware auf Funkgeräte hätten unterbinden müssen. Für AREDN wäre das das Aus gewesen.
Firmware herunterladen und installieren
Alle Downloads, Anleitungen und Hilfen gibt es beim AREDN-Projekt selbst:
- Firmware-Auswahl: Gerät eintippen, Version wählen, Image herunterladen
- Dokumentation mit Installationsanleitungen je Hersteller und Hinweisen zur Netzplanung (englisch)
- Quellcode und Versionshinweise auf GitHub
- Forum des Projekts für Fragen
- Weltkarte der AREDN-Knoten
Für jedes Gerät gibt es zwei Arten von Images: das Factory-Image für die Erstinstallation über die Herstellerfirmware und das Sysupgrade-Image für spätere Updates. Wie die Erstinstallation abläuft, hängt vom Hersteller ab:
- Ubiquiti airMAX M
- Reset-Taste beim Einschalten 30 bis 45 Sekunden halten, dann das Image per TFTP an die Adresse 192.168.1.20 übertragen.
- Ubiquiti airMAX AC
- Gerät zuerst auf airOS 8.7.0 oder 8.7.4 bringen, dann das Image per SCP kopieren und per SSH installieren.
- MikroTik
- Zwei Schritte: per Netzwerkstart ein Übergangssystem laden, darüber das Sysupgrade-Image einspielen.
- TP-Link
- über die Weboberfläche des Herstellers oder per Netzwerkstart mit einer Recovery-Datei
- GL.iNet, OpenWrt One, Zyxel, Cudy
- über die vorhandene Weboberfläche; „Einstellungen behalten“ abwählen. Cudy-Geräte brauchen vorher ein von Cudy signiertes OpenWrt.
Nach dem Neustart ist der Knoten unter 192.168.1.1 oder localnode.local.mesh erreichbar. Dort werden Rufzeichen, Passwort und Funkeinstellungen eingetragen, in Deutschland also ein Kanal im 13- oder 6-cm-Band mit 5 oder 10 MHz Bandbreite. Für die Installation empfiehlt das Projekt, Rechner und Knoten über einen einfachen Switch zu verbinden, damit die Netzwerkverbindung beim Neustart des Knotens nicht abreißt. Bei manchen Geräten lässt sich eine misslungene Installation nur mit Lötkolben und seriellem Kabel retten. Wer zum ersten Mal flasht, beginnt deshalb mit einem gebrauchten Standardgerät.
Tunnel und Supernodes
Nicht jeder Knoten erreicht ein anderes Netz per Funk. Für diesen Fall verbindet AREDN Knoten über Tunnel, meist durch das Internet. AREDN nutzt dafür WireGuard. Der DARC-Distrikt Oberbayern hat so 2021, als gemeinsame Treffen wegen Corona ausfielen, ein Testnetz mit vorkonfigurierten Routern und einem Telefonserver aufgebaut. Für Funkamateure in Deutschland bieten etwa Jürgen Mayer (DL8MA) und der Ortsverband Ulm Tunnelzugänge an.
Supernodes verbinden ganze Mesh-Inseln zu einem übergeordneten Netz, das AREDN Cloud Mesh nennt. Sie verschmelzen die Inseln nicht zu einem großen Mesh, sondern halten sie getrennt und leiten nur den Verkehr zwischen ihnen weiter. Das Projekt rät, jede Insel nur mit einem oder zwei Supernodes zu verbinden.
Tunnel sind ein Zusatz, etwa zum Üben und um entfernte Gruppen zu verbinden. Das Mesh vor Ort braucht sie nicht: Die Knoten untereinander arbeiten vollständig per Funk.
Mögliche Dienste
- E-Mail zwischen den Standorten
- Telefonie über IP mit einer eigenen Telefonanlage wie Asterisk oder FreePBX, auch mit einfachen Tischtelefonen
- Chat, etwa mit MeshChat, das als Zusatzpaket direkt auf dem Knoten läuft
- Sprechgruppen über Software wie TeamTalk
- vernetzte Sprechfunkrelais, etwa mit SvxLink, siehe Relaisfunk
- Dateiübertragung und lokale Webanwendungen, etwa für Schadensmeldungen
- eine gemeinsame Lagekarte
- Kamerabilder, etwa von einem erhöhten Standort oder einer Drohne
- ein Winlink-Zugang, über den Nachrichten auch per Winlink weitergehen
Im Unterschied zu Kurzwelle oder Winlink sind hier echte Datenraten möglich, weit über dem, was Schmalbandverfahren leisten. Eine Strecke mit 10 MHz Bandbreite und gutem Signal schafft nach HAMNET-Erfahrungen effektiv mehr als 10 Mbit/s. Im Mesh teilt sich diese Datenrate auf alle Knoten auf, die denselben Kanal nutzen.
AREDN und HAMNET
In Deutschland ist HAMNET das etablierte IP-Netz der Funkamateure: geplante Richtfunkstrecken zwischen festen Standorten, jede mit eigener Frequenz, die Adressen zentral koordiniert. AREDN ist das Gegenmodell für das Netz vor Ort, das sich selbst organisiert. Beide schließen sich nicht aus. Technisch steckt oft dieselbe Hardware dahinter, nur die Firmware unterscheidet sich. Der DARC-Ortsverband Ulm verfolgt deshalb ausdrücklich beides: HAMNET für feste Weitverbindungen, AREDN für das flexible Netz vor Ort. AREDN-Inseln lassen sich zudem über HAMNET koppeln.
AREDN in Deutschland
In Deutschland ist AREDN deutlich weniger verbreitet als HAMNET, die Zahl der Gruppen wächst aber. Einige Beispiele:
- Ulm (DARC-Ortsverband P14)
- Seit 2023 baut der Ortsverband ein AREDN-Netz auf, mit 5 GHz für Mesh und Weitverbindungen und 2,4 GHz für lokale Zugänge. Erklärtes Ziel ist, im Ausfall auch direkt Betroffenen Kommunikationsmöglichkeiten zu geben, in Kombination mit dem vorhandenen HAMNET.
- Distrikt Oberbayern (C)
- Testnetz seit 2021, anfangs über Tunnel, mit Telefonserver. Das Netz funktioniert unabhängig davon, ob Knoten per Tunnel, HAMNET oder Funk verbunden sind.
- Distrikt Franken (B)
- Eine Notfunkgruppe testet 2026 Weitverbindungen, hält Fielddays ab, hat mögliche Standorte in Herzogenaurach per Drohne vermessen und betreibt Sprechgruppen über einen TeamTalk-Server im Netz.
- Notfunk Württemberg
- Jürgen Mayer (DL8MA) sammelt auf amateurfunk.de/aredn Anleitungen zu Geräten, Frequenzen, Tunneln, Stromversorgung und Notfallservern und bietet Online-Workshops an.
Wer sich anschließen will, fragt am besten beim Notfunkreferenten des eigenen DARC-Distrikts oder Ortsverbands nach. Einen schnellen Überblick, wo schon Knoten stehen, gibt die AREDN-Weltkarte.
Die Kette der Abhängigkeiten
Ein IP-Netz ist nur so resilient wie das schwächste Glied:
- Standorte
- Funk im Gigahertzbereich braucht Sichtverbindung zwischen erhöhten Punkten, daran ändert auch ein Mesh nichts. Höhe lässt sich unter Umständen auch in der Lage schaffen.
- Stromversorgung
- jeder Knoten, jeder Zwischenstandort. Die meisten Geräte werden über das Netzwerkkabel (PoE) versorgt und brauchen nur wenige Watt.
- Funkverbindungen
- Ausrichtung, Wetter, Wartung
- Switches und Router
- auch sie brauchen Strom und Konfiguration
- Endgeräte
- Telefone und Rechner an den Standorten. Schnurlose Telefone, die ihren Takt aus dem Stromnetz ableiten, laufen am Akku nicht; kabelgebundene Tischtelefone sind robuster.
Grenzen
- Dauerhafte, unbeaufsichtigte Knoten brauchen eine Rufzeichenzuteilung, die Monate dauert.
- Inhalte dürfen nicht verschlüsselt werden, siehe Rechtslage.
- Nur Funkamateure der Klassen A und E dürfen senden. Nachrichten für Dritte, die nicht den Amateurfunkdienst betreffen, sind nur im Not- und Katastrophenfall zulässig. Als gewöhnliches Behördennetz für den Alltag lässt sich AREDN deshalb nicht einplanen.
- Die Hardware wird knapper, die Geräteliste ändert sich mit jeder Version.
Vorbereiten, was sich vorbereiten lässt
- Welche Standorte sollen verbunden werden, und wo ließe sich Höhe gewinnen?
- Sind genug Knoten eingerichtet und mit Halterung, Kabel und Stromversorgung griffbereit?
- Welcher Kanal ist frei und mit HAMNET in Reichweite abgestimmt?
- Welche Dienste werden gebraucht, und wer stellt sie bereit?
- Sollen Knoten auch dauerhaft laufen, und ist die Rufzeichenzuteilung dafür beantragt?
- Wer spielt Firmware-Updates ein, und wann wurde der Aufbau zuletzt geübt?
Quellen
- AREDN: Amateur Radio Emergency Data Network, Projektseite (englisch)
- AREDN: Firmware-Auswahl und Downloads (englisch)
- AREDN: Supported Devices, Stand Juli 2026 (englisch)
- AREDN: Versionen auf GitHub, aktuell 4.26.7.0 (englisch)
- AREDN-Dokumentation: Why AREDN (englisch)
- AREDN-Dokumentation: Radio Spectrum Characteristics (englisch)
- AREDN-Dokumentation: Channel Planning (englisch)
- AREDN-Dokumentation: The Babel Routing Protocol (englisch)
- AREDN-Dokumentation: Supernodes (englisch)
- AREDN-Dokumentation: Installing AREDN Firmware (englisch)
- Amateurfunkverordnung, Anlage 1: Frequenzbereiche, Leistung und Bandbreite
- Amateurfunkverordnung, § 13: Fernbediente oder automatisch arbeitende Amateurfunkstellen
- Bundesnetzagentur: Service WLAN (PDF)
- Holger Riethmüller (DL8SCU): Einführung in HAMNET, mit Frequenzen und Datenraten (PDF)
- Timm Schunck (DL4FLY): AREDN-Grundlagen, 2018 (PDF)
- Dirk Schelhasse (DM7DS): AREDN, Vortrag beim DARC-Notfunk-Symposium 2019 (PDF)
- DARC-Ortsverband Ulm: Ulm goes AREDN
- Amateurfunk Ulm: AREDN-Setup für Ulm, Kanalwahl
- DARC-Distrikt Oberbayern: AREDN-Testnetz im Distrikt C
- DARC, DB0EDQ: Regionaler Notfunk in der Metropolregion
- Jürgen Mayer (DL8MA): AREDN, Anleitungen und Tunnel
- DARC: Neues aus dem Hamnet, Januar 2026
- Bremer Rundspruch: Entschärfung der europäischen Funkrichtlinie, 2026 (PDF)
- OERadio: AREDN, Mesh Networks with Wi-Fi Hardware (englisch)
- HAMNET-Datenbank: Knoten und Strecken