Worauf die eigene Kommunikation tatsächlich angewiesen ist
Fast jede Alltagskommunikation einer Behörde hängt an denselben wenigen Grundlagen: Strom, Festnetz, Mobilfunk, Internet und zentrale Dienste wie E-Mail-Server, Cloud-Anwendungen oder Telefonanlagen im Rechenzentrum. Fällt eine davon aus, fallen oft mehrere scheinbar getrennte Wege gleichzeitig aus. Die IP-Telefonanlage, das Mobiltelefon und die E-Mail sind drei Geräte, aber möglicherweise nur ein einziger Weg.
Redundanz ist nicht gleich Diversität
Redundanz heißt: ein zweites Exemplar desselben Wegs. Diversität heißt: ein Weg mit anderen Abhängigkeiten. Zwei SIM-Karten verschiedener Netzbetreiber sind redundant, aber nicht unabhängig, wenn beide Sendemasten ohne Netzstrom nach kurzer Zeit abschalten. Für echte Rückfallebenen zählt, welche Abhängigkeiten ein Weg nicht mit den anderen teilt.
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt für Störungen regulärer Kommunikation Ersatzlösungen und nennt dabei unter anderem mehrere Mobilfunknetze, Satellitenkommunikation, Betriebsfunk und Bündelfunk.
Entscheidungsmatrix für Rückfallebenen
| Weg | Hängt ab von | Stärke | Grenze |
|---|---|---|---|
| Zweites Mobilfunknetz | Netzstrom der Masten, Kernnetz | vertraut, sofort nutzbar | fällt beim Blackout mit aus |
| Satellitentelefon (Iridium, Inmarsat, Thuraya) und Satelliteninternet | Endgerät, Strom, freie Sicht zum Himmel, Betreiber | unabhängig von lokaler Infrastruktur | Kosten, Kapazität, Bedienung muss geübt sein |
| BOS-Digitalfunk | Basisstationen mit Notstrom, Netzbetrieb; verliert eine Basisstation ihre Anbindung, arbeitet sie im Fallback-Betrieb lokal weiter; im Direktmodus nur Geräte | gehärtet, für Einsatzkräfte ausgelegt | für Einsatzkommunikation reserviert, Autonomie je nach Standort |
| Betriebs- und Bündelfunk, etwa von Bauhof, Stadtwerken oder Verkehrsbetrieben | eigene Infrastruktur der Organisation | unter eigener Kontrolle | Reichweite und Notstrom je nach Ausbau, vorher klären |
| 450connect | Funknetz eines Betreibers für kritische Infrastruktur, dazu dessen Kernnetz | nach eigenen Angaben nahezu bundesweit und bis zu 72 Stunden Notstrom | nur für Versorger und Betreiber; vor einer Beauftragung klären, ob eine Verbindung auch bei gestörtem Kernnetz oder gestörter Anbindung der Basisstation möglich ist, und ob das Angebot auf Katastrophenschutz statt auf Versorger-Anwendungen wie Sensorik ausgelegt ist |
| Direkte Funkverbindung | nur Geräte, Antennen, Strom an beiden Enden | keine Zwischeninfrastruktur | Reichweite, Topografie |
| Amateurfunk | vorbereitete Funkamateure, Strom, Antennen | regionale Strecken ohne Infrastruktur, Textverfahren | nur so gut wie Vereinbarung und Übung |
| Lokale Datennetze | eigene Knoten und deren Strom | IP-Dienste ohne Internet | muss vorher aufgebaut sein |
| Feldtelefon | Kabel und Geräte | kein Funk, keine fremde Infrastruktur | nur feste, kurze Strecken, etwa zwischen Stab und Fernmeldezentrale |
| Melder oder Kurier | Personen, Fahrzeuge, befahrbare Wege | funktioniert immer, auch ohne Strom | langsam, geringe Kapazität |
Wie Amateurfunk hier einzuordnen ist
Amateurfunk ist eine dieser Rückfallebenen, nicht die Lösung für alle. Seine Stärke liegt dort, wo andere Wege gemeinsame Abhängigkeiten haben: bei Verbindungen ohne jede Zwischeninfrastruktur und bei regionalen Strecken per Kurzwelle. Wie das konkret aussieht, beschreibt Amateurfunk im Katastrophenschutz.
Prüffragen für jeden eigenen Kommunikationsweg
- Woher kommt der Strom, an meinem Ende, am anderen Ende und dazwischen?
- Welche Teile liegen außerhalb meines Einflussbereichs?
- Mit welchen anderen Wegen teilt er Abhängigkeiten?
- Wann wurde der Ausfall zuletzt wirklich getestet, nicht nur angenommen?
Wie man diesen Test anlegt, beschreibt Kommunikationsausfall als Übungsszenario.