Wann braucht man Kurzwelle?
VHF und UHF (2 m, 70 cm, auch der BOS-Funk) reichen im Wesentlichen so weit, wie Sichtverbindung besteht, erweitert durch hohe Standorte und Relais. Sobald Stellen weiter auseinanderliegen, Berge oder Bebauung dazwischen stehen oder keine Relaisinfrastruktur vorhanden ist, bleibt ohne Kurzwelle nur der Umweg über fremde Netze. Kurzwelle (HF, 3 bis 30 MHz) überbrückt solche Strecken über die Ionosphäre, ohne jede Zwischenstation.
Drei Ausbreitungswege
- Bodenwelle
- Folgt der Erdoberfläche, auf den unteren Kurzwellenbändern über einige zehn Kilometer, stark abhängig von Gelände und Bodenbeschaffenheit.
- NVIS (steile Raumwelle)
- Das Signal wird fast senkrecht nach oben gestrahlt und von der Ionosphäre zurückgeworfen. So entsteht eine regionale Abdeckung ohne tote Zone, typischerweise von null bis einige hundert Kilometer. Im ganzen Umkreis hören alle mit, auch wenn die Gegenstelle nur wenige Kilometer entfernt ist. Ausführlich unter NVIS.
- Flache Raumwelle
- Flach abgestrahlte Signale kommen weit entfernt wieder herunter, oft Hunderte bis Tausende Kilometer. Dazwischen liegt eine tote Zone, in der nichts ankommt.
Reichweite nach oben: wer alles mithört
Kurzwelle lässt sich nicht auf eine kurze Strecke begrenzen. Ein NVIS-Signal für den Nachbarort ist im Umkreis von mehreren hundert Kilometern zu hören, ein flach abgestrahltes Signal auch auf anderen Kontinenten. Jede Aussendung belegt die Frequenz für alle Stationen in diesem Gebiet. Die Bänder, die für regionale Verbindungen tragen, sind schmal und gerade abends dicht belegt.
Kurzwelle ist deshalb für Strecken gedacht, die UKW und Relais nicht schaffen. Für Verbindungen innerhalb einer Gemeinde oder eines Kreises ist sie die falsche Wahl, auch wenn sie dort funktionieren würde. Dasselbe gilt für die Sendeleistung: Die Vollzugsordnung für den Funkdienst der ITU verlangt, nur so viel Leistung abzustrahlen, wie für eine zufriedenstellende Verbindung nötig ist.
Band und Tageszeit
Welches Band trägt, hängt vom Zustand der Ionosphäre ab, und der ändert sich mit Tageszeit, Jahreszeit und Sonnenaktivität. Als grobe Regel für regionale Verbindungen in Mitteleuropa: tagsüber eher 40 m (7 MHz), nachts und in den Übergangszeiten eher 80 m (3,5 MHz). Wer nur ein Band vorbereitet hat, verliert zu bestimmten Zeiten die Verbindung.
Was eine Kurzwellenstation braucht
- Antenne
- Für 80 m ist ein Dipol rund 40 m lang. Platz und Befestigungspunkte sind oft das größte praktische Problem.
- Strom
- Ein typischer Transceiver mit 100 W Sendeleistung nimmt beim Senden grob 20 A bei 13,8 V auf. Im Empfang deutlich weniger. Siehe Notstrom.
- Aufbauzeit
- Mit Übung ist eine Station in einer halben Stunde betriebsbereit, ohne Übung dauert allein die Antenne länger.
- Erfahrene Operatoren
- Bandwahl, Abstimmung und Betrieb unter schlechten Bedingungen erfordern Übung.
Sprechfunk oder Daten?
Sprechfunk auf Kurzwelle ist sofort nutzbar, aber oft verrauscht, was Zahlen und Namen fehleranfällig macht. Datenverfahren wie Winlink mit VARA oder Pactor übertragen Text zuverlässiger, brauchen aber Laptop, Software und mehr Einrichtung.
Dazwischen liegen zwei Verfahren für Sonderfälle. Morsetelegrafie (CW) kommt noch durch, wenn Sprache im Rauschen untergeht, verlangt aber Operatoren, die sicher geben und mitschreiben, und ist langsam. FreeDV überträgt Sprache digital: Mit dem Verfahren RADE, das das FreeDV-Projekt im Juni 2025 in Version 2.0 veröffentlicht hat, belegt Sprache nach Angaben der Entwickler nur etwa 1,5 kHz statt rund 3 kHz bei SSB und bleibt bis hinunter zu einem Signal-Rausch-Abstand von −2 dB verständlich. Nötig sind ein Rechner mit der freien Software oder ein Funkgerät, in das der Hersteller das Verfahren eingebaut hat. Beide Seiten müssen es beherrschen, und verbreitet ist es noch wenig.
Für Formulare ohne Gateway und Server gibt es NBEMS mit Olivia oder MT63, für kurze Textnachrichten unter sehr schwachen Bedingungen JS8Call, siehe FT8 im Notfunk.
Grenzen
- Keine garantierte Verbindung: Ionosphärenstörungen können Verbindungen stundenlang verhindern.
- In Städten ist der Störpegel durch Elektronik oft so hoch, dass schwache Signale untergehen.
- Die Kapazität ist gering: ein Kanal, eine Nachricht nach der anderen.
Welches Verfahren für welche Entfernung?
| Strecke | Wahrscheinlich sinnvoll | Kurzwelle? |
|---|---|---|
| 15 km | Relais auf 2 m / 70 cm, analog oder DMR, direkt nur mit gutem Standort | nein, das Signal wäre Hunderte Kilometer weit zu hören |
| 80 km | NVIS, ggf. Relaisverbindungen | ja, NVIS, wenn UKW und Relais nicht tragen |
| 180 km | NVIS | ja, NVIS mit Bandwahl nach Tageszeit |
| 600 km | flache Raumwelle, Satellit QO-100 | ja, aber zeitabhängig |
So testen Sie eine Kurzwellenstrecke
- Beide Standorte festlegen und Antennenmöglichkeiten prüfen.
- Zu drei Tageszeiten testen: morgens, mittags, abends.
- Pro Test Band, Uhrzeit, Leistung und Signalbericht dokumentieren.
- Eine echte Nachricht übertragen, nicht nur Signalrapporte austauschen.