USA: vier Stufen der Einbindung von Funkamateuren

In den USA gibt es nicht die eine Notfunkorganisation, sondern mehrere Stufen: vom Verbandsdienst ARES über den behördlich registrierten Funkdienst RACES bis zum bundesweiten Ausbildungsstandard AUXCOMM, der Funkamateure in die Einsatzführungsstruktur der Behörden einfügt. Das Stufenmodell ist lehrreicher als jede einzelne Organisation.

Art des Beispiels: Organisationsmodell, beschrieben anhand der Angaben des Amateurfunkverbands ARRL, der US-Funkvorschriften und der Bundesbehörde CISA. Für einen Praxisbeleg siehe Hurrikan Helene 2024 und Puerto Rico 2017.

Nicht eine Organisation, sondern Stufen

Wer von Notfunk in den USA hört, denkt meist an eine einzelne Organisation. Tatsächlich gibt es mehrere Ebenen, die unterschiedlich eng an Behörden gebunden sind. Ein Funkamateur kann in mehreren gleichzeitig mitarbeiten.

StufeWer steht dahinterBindung an Behörden
ARESAmateurfunkverband ARRLfreiwillige Registrierung; örtliche Gruppen schließen Vereinbarungen mit den Stellen, die sie unterstützen
RACESörtliche oder staatliche KatastrophenschutzbehördeFunkamateure sind bei der Behörde eingeschrieben; eigene Regeln im Funkrecht
AUXCOMMAusbildungsstandard der Bundesbehörde CISAFunkamateure arbeiten im Führungssystem der Behörden unter deren Fernmeldeführer
SHARESKurzwellenprogramm der CISAstaatliches Netz für Behörden und kritische Infrastruktur, kein Amateurfunk

ARES: der Verbandsdienst

Der Amateur Radio Emergency Service besteht aus Funkamateuren, die ihre Qualifikation und Ausrüstung freiwillig für den Notfunk registriert haben. Jeder lizenzierte Funkamateur kann mitmachen, auch ohne Mitgliedschaft in der ARRL. Die Führung ist gestuft, mit Koordinatoren für einzelne Bezirke und für die Sektionen des Verbands, die meist einem Bundesstaat entsprechen.

Entscheidend ist der Begriff der „served agency“, also der unterstützten Stelle. Dazu zählen nach Angaben der ARRL etwa das Amerikanische Rote Kreuz und die Heilsarmee. Örtliche ARES-Gruppen schließen mit Behörden und Hilfsorganisationen schriftliche Vereinbarungen, in denen die Zusammenarbeit geregelt ist. Für die Ausbildung gibt die ARRL ein einheitliches Aufgabenheft heraus, das Standardized Training Plan Task Book.

RACES: der behördliche Funkdienst

Der Radio Amateur Civil Emergency Service ist im US-Funkrecht geregelt, in Abschnitt 97.407 der Vorschriften der Aufsichtsbehörde FCC. Kernpunkte:

  • Bedienen darf eine RACES-Station nur, wer eine Amateurfunklizenz hat und von einer Katastrophenschutzbehörde als eingeschrieben bestätigt ist.
  • Erlaubt sind unter anderem Nachrichten über Gefahren für die öffentliche Sicherheit, zum Schutz von Leben und Eigentum und zur Information der Bevölkerung.
  • Übungen sind auf eine Stunde pro Woche begrenzt. Mit Zustimmung des Bundesstaats sind zweimal im Jahr Übungen von bis zu 72 Stunden erlaubt.

Das Besondere: RACES ist ein Instrument der Behörde, nicht des Verbands. Die Behörde entscheidet, wer dazugehört.

AUXCOMM: der Ausbildungsstandard

AUXCOMM steht für Auxiliary Communications, also ergänzende Kommunikation. Die Bundesbehörde CISA bietet dazu einen Lehrgang an, der Funkamateure auf die Arbeit im einheitlichen Führungssystem der US-Behörden vorbereitet. Inhalte sind unter anderem Interoperabilität, das Verhältnis zum Fernmeldeführer der Einsatzleitung, das Verhalten in einer Einsatzzentrale und die Funkregeln.

Voraussetzung sind eine Amateurfunklizenz, Erfahrung im Notfunk, eine Anbindung an eine Behörde der Gefahrenabwehr und vier Online-Grundkurse der Katastrophenschutzbehörde FEMA zum Führungssystem. Das ist der Kern: Funkamateure lernen die Sprache und die Strukturen der Einsatzführung, bevor sie in einer Einsatzzentrale sitzen. North Carolina wickelt nach Angaben der ARRL seinen gesamten offiziellen Notfunk über eine eigene Struktur beim staatlichen Katastrophenschutz ab, NC AUXCOMM.

SHARES: der staatliche Kurzwellenverbund

SHARES ist kein Amateurfunk, gehört aber ins Bild. Das Programm der CISA verbindet mehr als 3.290 Kurzwellenstationen von über 590 Behörden, Ländern und Unternehmen der kritischen Infrastruktur. Es überträgt Notfallnachrichten, wenn normale Netze ausfallen. Die CISA weist darauf hin, dass Funkamateure die Betriebsverfahren leicht lernen. SHARES zeigt, dass der Staat in den USA eine eigene Kurzwellen-Rückfallebene betreibt und nicht allein auf Freiwillige setzt.

Die eigentliche Lehre

Das Stufenmodell beantwortet eine Frage, die in Deutschland oft unklar bleibt: Wie eng soll die Bindung sein? In den USA kann ein Funkamateur lose über den Verband mitwirken, sich bei einer Behörde einschreiben oder eine standardisierte Ausbildung für die Arbeit im Stab absolvieren. Jede Stufe hat klare Voraussetzungen. Für deutsche Kreise heißt das: Nicht alle Funkamateure müssen gleich eng eingebunden sein, aber für jede Rolle muss feststehen, was sie voraussetzt. Mögliche Modelle beschreibt der Beitrag Notfunk organisieren.

Was auf Deutschland übertragbar ist, und was nicht

ÜbertragbarNicht ohne Weiteres übertragbar
verschiedene Stufen der Einbindung mit klaren Voraussetzungeneine eigene Regel im Funkrecht für behördlich eingeschriebene Funkamateure wie RACES
schriftliche Vereinbarungen mit jeder unterstützten Stelleein bundesweiter Lehrgang einer Bundesbehörde; in Deutschland liegt die Ausbildung bei Ländern, Kreisen und Verbänden
Funkamateure vor dem Einsatz in Stabsarbeit und Führungsstrukturen schulen, siehe Amateurfunk im Führungsstabein staatliches Kurzwellennetz für Behörden wie SHARES

Fragen für die eigene Planung

  • Welche Rollen gibt es bei uns für Funkamateure, und was setzt jede Rolle voraus?
  • Kennen die Funkamateure, die im Stab eingesetzt werden sollen, dessen Aufbau und Abläufe?
  • Mit welchen Stellen gibt es schriftliche Vereinbarungen, und mit welchen nur mündliche Absprachen?

Quellen