Amateurfunk für BOS erklärt

Funkamateure sind geprüfte Privatpersonen, die auf eigenen Frequenzbereichen mit eigener Technik funken dürfen. Für BOS interessant sind drei Fähigkeiten: Direktverbindungen ohne Infrastruktur, Kurzwelle für regionale Strecken und Textübertragung per Funk. Ob diese Fähigkeiten im Ereignis verfügbar sind, hängt nicht vom Hobby ab, sondern von Vereinbarung und Übung.

Dieser Artikel erklärt nur, was eine Führungskraft aus BOS oder Verwaltung für eine Entscheidung wissen muss. Keine Geschichte, keine Prüfungsinhalte.

Funkamateur ist eine Qualifikation, keine Organisation

Ein Funkamateur hat eine Prüfung bei der Bundesnetzagentur bestanden und ein persönliches Rufzeichen erhalten, zum Beispiel DL1ABC. Damit darf er auf den Amateurfunkbändern senden. Das sagt nichts darüber, ob er Notfunk betreibt, geübt ist oder im Ereignis verfügbar wäre. Viele Funkamateure interessieren sich für Technik, Experimente oder weltweite Verbindungen und haben mit Katastrophenschutz nichts zu tun.

Organisiert sind Funkamateure in Vereinen, vor allem in den Ortsverbänden des DARC, und in Notfunkgruppen. Ein Ortsverband ist ein Hobbyverein, keine Einheit mit Alarmierung. Wer Funkamateure einbinden will, braucht deshalb Vereinbarungen mit konkreten Personen oder Gruppen.

Die Begriffe, die in Gesprächen fallen

Rufzeichen
Persönliche Kennung jedes Funkamateurs, muss zu Beginn und am Ende jeder Verbindung und mindestens alle zehn Minuten genannt werden. Für Notfunkgruppen und BOS-Angehörige gibt es besondere Klubstationsrufzeichen mit DR-Präfix, siehe Rechtslage.
Bänder
Frequenzbereiche, benannt nach der Wellenlänge. Für Notfunk wichtig: 80 m und 40 m (Kurzwelle, regional), 2 m und 70 cm (VHF und UHF, lokal).
Direktverkehr (Simplex)
Zwei Stationen funken direkt miteinander, ohne Infrastruktur. Entspricht dem DMO im BOS-Digitalfunk.
Relais
Automatische Umsetzerstation an einem hohen Standort, die die Reichweite vergrößert. Alle Stationen hören das Relais und damit jedes Gespräch. Für Sprechfunk in Gemeinde und Kreis der Regelfall, auch als transportables Einsatzrelais mit Akku. Braucht wie jede Infrastruktur Strom.
Kurzwelle (HF)
Frequenzen, die über die Ionosphäre weit reichen. Mit NVIS lassen sich regionale Strecken ohne Relais überbrücken. Für Strecken innerhalb eines Kreises ist das meist zu weit, dafür reichen 2 m und 70 cm über ein Relais.
Digitale Verfahren
Datenübertragung per Funk, etwa Winlink für E-Mail-ähnliche Nachrichten oder Packet Radio. Liefern schriftliche, wortgetreue Nachrichten.
Portable Station
Transportable Funkstelle mit eigener Stromversorgung, die an einem beliebigen Ort aufgebaut werden kann.

Was Amateurfunk für BOS leisten kann

  • zusätzliche Verbindungen zu vorher festgelegten Stellen, unabhängig von Telefon, Mobilfunk und Internet
  • regionale Strecken zu Stellen, die der BOS-Funk nicht abdeckt, etwa zu Nachbarkreisen
  • schriftliche Übermittlung von Lagemeldungen und Listen
  • technisches Fachwissen über Funkausbreitung, Antennen und Stromversorgung

Was Amateurfunk nicht leisten kann

  • Er ersetzt keinen BOS-Funk und ist nicht für Einsatzkommunikation der Einheiten gedacht.
  • Er ist nicht verschlüsselt und darf es nicht sein. Vertrauliche Inhalte und sensible personenbezogene Daten gehören nicht darauf.
  • Er ist nicht automatisch verfügbar. Funkamateure helfen freiwillig und haben keine Einsatzpflicht.
  • Er ist kein Breitbandnetz. Große Dateien, Videos oder Fachanwendungen laufen darüber nicht.

Was Sie bei einem Erstgespräch fragen sollten

  1. Welche Funkamateure stehen tatsächlich zur Verfügung, namentlich und mit Erreichbarkeit?
  2. Welche Betriebsarten werden praktisch beherrscht, nicht nur besessen?
  3. Welche autarke Stromversorgung existiert, und wie lange hält sie nachweislich?
  4. Welche Standorte sind getestet?
  5. Gibt es definierte Gegenstellen, die im Ereignis besetzt sind?
  6. Wie regelmäßig wird geübt, und gibt es Auswertungen?
  7. Wie werden Nachrichten dokumentiert?

Wie es nach dem Gespräch weitergeht, beschreibt Funkamateure in den Katastrophenschutz einbinden.

Quellen