Relaisfunk: Sprechfunk für Gemeinde und Kreis

Ein Relais auf einem hohen Standort verbindet Handfunkgeräte in der ganzen Gemeinde oder im ganzen Kreisgebiet. Weil alle Stationen seine Ausgabe hören, überlagern sich keine Gespräche. Notfalls wird es transportabel mit Akku auf einem Kirchturm aufgebaut. Ein vorhandenes Relais gehört mit geprüfter Notstromversorgung in den Kommunikationsplan.

Wofür sich Relaisfunk eignet

Braucht an Infrastruktur
Relais oder Digipeater. Vorhandenes Relais mit geprüftem Notstrom oder ein eigenes transportables Einsatzrelais mit Akku an einem zentralen, hohen Standort, für den eine Zuteilung besteht.

geeignet Örtliche Führung, Kreis

eingeschränkt Kreis und Land

Alle sechs Ebenen mit Begründung

Selbsthilfe und Bevölkerung

  1. 1 Nachbarschaft nicht geeignet nur zwischen Nachbarn, die selbst Funkamateure sind
  2. 2 Bürger und Anlaufstelle nicht geeignet Bürger ohne Amateurfunkprüfung dürfen nicht senden

Kommunale und örtliche Führung

  1. 3 Örtliche Führung geeignet ein zentral aufgestelltes Relais, notfalls transportabel mit Akku auf einem Kirch- oder Feuerwehrturm, versorgt die ganze Gemeinde; alle hören die Ausgabe, deshalb keine Überlagerungen
  2. 4 Kreis geeignet passende Reichweite, ein gut gelegenes Relais deckt das Kreisgebiet auch für Handfunkgeräte ab, Notstrom prüfen

Übergeordnete Führung

  1. 5 Kreis und Land eingeschränkt ein Relais allein reicht nicht so weit; über HAMNET vernetzte Relais tragen ohne Internet, wo durchgehende Strecken mit Notstrom bestehen
  2. 6 Land und Bund nicht geeignet vernetzte Relais hängen am Internet oder an durchgehenden HAMNET-Strecken, die es über diese Entfernung kaum gibt

Die Einstufung berücksichtigt beide Enden der Reichweite: ob die Technik weit genug trägt und ob sie nicht unnötig weit reicht. Sie ist eine Orientierung. Ob eine Strecke trägt, zeigt nur ein Test mit den tatsächlichen Standorten. Alle Techniken im Vergleich

Was ein Relais leistet

Ein Relais empfängt auf einer Frequenz und sendet gleichzeitig auf einer anderen wieder aus. Steht es auf einem Berg, Turm oder hohen Gebäude, können sich darüber Stationen verständigen, die sich direkt nie erreichen würden, auch mit Handfunkgeräten aus dem Fahrzeug oder aus einem Gebäude heraus. Ein gut gelegenes Relais deckt eine ganze Gemeinde oder das Kreisgebiet ab.

Die Reichweite passt dabei zu den Aufgaben: Ein Relais auf 2 m oder 70 cm reicht einige zehn Kilometer, also etwa so weit wie ein Kreis. Es belegt seine Frequenzen nicht wie Kurzwelle für eine ganze Region, und einige Kreise weiter können dieselben Frequenzen wieder genutzt werden.

Warum ein Relais besser ist als Simplex

Im Direktverkehr hört jede Station nur die Stationen, die sie selbst erreicht. Die Leitstation in der Mitte hört alle, die Außenstellen hören sich untereinander oft nicht. Sie wissen deshalb nicht, ob gerade jemand spricht, senden gleichzeitig, und bei der Leitstation kommt nur Überlagerung an. Mit Handfunkgeräten reicht Simplex im Kreisgebiet zudem selten.

Über ein Relais hört jede Station dessen Ausgabe und damit jedes Gespräch im Netz. Wer hört, dass gesprochen wird, wartet. Überlagerungen durch Stationen, die sich gegenseitig nicht hören, gibt es nicht mehr. Die Leitstation kann den Verkehr ordnen, und alle anderen bekommen die Lage nebenbei mit.

Bei DMR kommt noch mehr hinzu: Ein Relais trägt zwei Gespräche gleichzeitig, und die Geräte lassen sich so einstellen, dass sie bei belegtem Kanal gar nicht erst senden.

Ein eigenes Relais für den Einsatz

Niemand muss sich auf fremde Relais verlassen. Ein transportables Einsatzrelais besteht aus Relaisgerät oder zwei Funkgeräten mit Steuerung, Duplexer, Antenne und Akku. Zentral im Einsatzraum aufgestellt, auf einem Kirchturm, Feuerwehr- oder Wasserturm oder dem Dach eines hohen Gebäudes, versorgt es die ganze Gemeinde. Ein großer Akku, bei Bedarf mit Solarmodul, trägt es über Tage.

Damit liegt die Infrastruktur in der eigenen Hand: Standort, Stromversorgung und Zugang sind vorher abgesprochen und geübt.

Zuteilung: Standort vorher festlegen

Ein unbesetzt betriebenes Relais ist nach § 13 der Amateurfunkverordnung (AFuV) eine fernbediente oder automatisch arbeitende Amateurfunkstelle. Es braucht eine gesonderte Rufzeichenzuteilung der Bundesnetzagentur. Vorher prüft die Bundesnetzagentur die Verträglichkeit am Standort, und die Zuteilung gilt nur für diesen Standort und die darin genannten Frequenzen. Ein Einsatzrelais lässt sich deshalb nicht spontan irgendwo aufstellen. Die Standorte, an denen es im Ereignis stehen soll, werden vorher festgelegt und mit der Bundesnetzagentur geklärt. Beim DARC ist das Referat für VHF, UHF und SHF Ansprechstelle für Relaisanträge.

Offen ist der Fall, dass ein Funkamateur ständig am Relais sitzt und jederzeit eingreifen kann. Die AFuV erfasst in § 13 ausdrücklich nur unbesetzt betriebene Stationen. Eine Aussage der Bundesnetzagentur, wie ein besetzt betriebenes Relais einzuordnen ist, haben wir nicht gefunden. Wer so arbeiten will, klärt das vorher mit der Bundesnetzagentur. Mehr zur Rechtslage.

Was ein vorhandenes Relais belastbar macht

Viele Amateurfunkrelais werden von Einzelpersonen oder Vereinen betrieben. Ihre Notstromversorgung reicht von gar keiner bis zu mehreren Tagen, und nicht jedes funktioniert ohne Internet. Wer ein vorhandenes Relais einplant, klärt das vorher mit dem Betreiber.

Prüfliste für jedes Relais im Kommunikationsplan

  • Hängt es am Netzstrom?
  • Hat es einen Akku, und wie lange hält er nachweislich?
  • Gibt es einen Generator oder Solar?
  • Kann es fernbedient werden, und über welchen Weg?
  • Braucht es für seine Funktion das Internet, etwa bei vernetzten Digitalrelais?
  • Ist der Standort im Ereignis zugänglich, auch für Nachtanken oder Reparatur?
  • Ist der Verantwortliche erreichbar, mit Vertretung?
  • Wie ist es angebunden (Backhaul), und fällt diese Anbindung mit aus?
  • Wer führt den Verkehr, wenn viele Stellen gleichzeitig senden wollen?

Ausfallszenarien

Stromausfall
Ohne Notstrom fällt das Relais sofort aus, mit kleinem Akku nach Stunden. Ein Einsatzrelais mit großem Akku hat dieses Problem nicht.
Relais fällt aus
Alle Verbindungen darüber brechen gleichzeitig ab. Der Kommunikationsplan braucht einen Rückfallweg: ein zweites Relais, ein Einsatzrelais oder Direktverkehr zwischen Stationen mit erhöhten Antennen.
Viel Verkehr
Ein analoges Relais ist ein einziger Gesprächsweg. Mit einer Leitstation und Funkdisziplin reicht das für einen Stab und seine Außenstellen. Wer mehr braucht, nimmt ein zweites Relais oder DMR mit zwei Zeitschlitzen.

Digitale und vernetzte Relais

Viele DMR-, D-Star- und C4FM-Relais sind über das Internet vernetzt. Lokal funktionieren sie auch ohne Internet, vernetzte Gesprächsgruppen aber nicht. Für Gemeinde und Kreis reicht der lokale Betrieb. Siehe DMR, D-Star und C4FM im Notfunk.

Auch analoge Relais lassen sich vernetzen, und zwar ohne Internet. Mit der freien Software SvxLink verbinden sich Relais mit einem zentralen Server, dem SvxReflector, der sie wie eine Vermittlung zusammenschaltet. Läuft diese Verbindung über HAMNET statt über das Internet, bleibt der Verbund im Ereignis bestehen, solange HAMNET-Strecken, Server und Relais Notstrom haben. Das Notfunkreferat des DARC-Distrikts Württemberg hat einen solchen Notfunk-Relaisverbund mit SvxLink und HAMNET vorgestellt, und das Wiki des FM-Funknetzes beschreibt die Bedienung. So lassen sich Relais in mehreren Kreisen zu einem Sprechfunknetz verbinden. Wie weit das trägt, hängt allein davon ab, wo durchgehende HAMNET-Strecken bestehen.

So wird ein Relais belastbar

  1. Mit dem Betreiber sprechen und die Prüfliste gemeinsam beantworten, oder ein eigenes Einsatzrelais vorhalten.
  2. Notstromautonomie messen: Netzstrom abschalten und die Laufzeit dokumentieren.
  3. Standort für ein Einsatzrelais vorher festlegen, Zuteilung mit der Bundesnetzagentur klären, Zugang und Befestigung mit dem Eigentümer absprechen.
  4. Einen Rückfallweg festlegen und mit üben.

Quellen