Antennenstandort schlägt Sendeleistung
Auf 2 m (144 bis 146 MHz) und 70 cm (430 bis 440 MHz) breiten sich Signale im Wesentlichen quasi-optisch aus: Was die Antenne „sehen“ kann, erreicht sie gut. Hindernisse wie Hügel, Gebäude und Wald dämpfen stark. Deshalb bringt es wenig, die Leistung zu verdoppeln, aber sehr viel, die Antenne höher zu bringen.
Dieselbe Eigenschaft begrenzt die Reichweite nach oben. Eine Verbindung im Ort belegt die Frequenz nur im näheren Umkreis, und einige zehn Kilometer weiter kann derselbe Kanal wieder genutzt werden. Für örtliche Strecken ist UKW deshalb nicht nur einfacher als Kurzwelle, sondern auch die rücksichtsvollere Wahl. Wer die Leistung auf das nötige Maß reduziert, verkleinert den belegten Umkreis weiter.
Drei Stationen, eine Strecke
Vergleichen Sie auf derselben Strecke:
- Handfunkgerät auf Brusthöhe
- Kurze Antenne, Körper dämpft, Antenne kaum über Hindernissen. Oft nur wenige Kilometer, in dichter Bebauung weniger.
- Mobilgerät mit Fahrzeugantenne
- Mehr Leistung, bessere Antenne, Fahrzeugdach als Gegengewicht. Deutlich mehr Reichweite.
- Stationsgerät mit Antenne auf 10 m Höhe
- Freie Sicht über Dächer und Bäume. Oft ein Vielfaches der Handfunkreichweite.
Die genauen Werte hängen so stark vom Gelände ab, dass jede Angabe ohne Messung irreführend wäre. Deshalb ist „ein 5-W-Handfunkgerät reicht X Kilometer“ keine seriöse Aussage.
Einfluss der Umgebung
- Stadt
- Reflexionen helfen manchmal um Ecken, Gebäude dämpfen stark. In Gebäuden ist Empfang oft nur am Fenster brauchbar.
- Flaches Land
- Die Erdkrümmung begrenzt, Antennenhöhe bringt hier am meisten.
- Wald
- Laub und Feuchtigkeit dämpfen, besonders auf 70 cm.
- Erhöhte Standorte
- Ein Hügel, ein Turm oder ein Dach kann eine Strecke erst möglich machen.
Das Problem mit mehreren Stellen
Im Direktverkehr hört jede Station nur die Stationen, die sie selbst erreicht. Arbeiten mehrere Außenstellen mit einer Leitstation, hört die Leitstation alle, die Außenstellen sich untereinander oft nicht. Sie wissen nicht, ob gerade jemand spricht, senden gleichzeitig, und bei der Leitstation kommt nur Überlagerung an. Das lässt sich mit Funkdisziplin mildern, aber nicht beseitigen.
Ein Relais an einem zentralen, hohen Standort löst beides: Es reicht auch für Handfunkgeräte durch das ganze Gebiet, und alle Stationen hören seine Ausgabe und damit jedes Gespräch. Mit DMR sperren die Geräte zusätzlich die Sendetaste, solange gesprochen wird. Für Sprechfunk in Gemeinde und Kreis ist das Relais deshalb der Regelfall, notfalls als transportables Einsatzrelais mit Akku auf einem Kirch- oder Feuerwehrturm.
Wofür Direktverkehr bleibt
Direktverkehr braucht keine Infrastruktur, nur Geräte, Antennen und Strom an beiden Enden. Das macht ihn zum Rückfallweg, wenn ein Relais ausfällt, und zur Wahl für Strecken zwischen zwei festen Stationen mit erhöhten Antennen. Auch innerhalb einer Einsatzstelle oder eines Geländes genügt er.
Crossband-Relais im Fahrzeug
Ein Fahrzeug kann die Reichweite eines Handfunkgeräts verlängern. Ein Dualband-Funkgerät mit Dachantenne empfängt das Handfunkgerät auf 70 cm und sendet das Signal auf 2 m mit höherer Leistung und besserer Antenne weiter, und umgekehrt. Ein Helfer in einem Gebäude oder im Tal erreicht so über das Fahrzeug vor der Tür die Einsatzleitung. Viele Mobilfunkgeräte haben diese Funktion eingebaut. Mario Haustein, DM5AHA, beschreibt in einem Papier aus dem Notfunkumfeld des DARC-Distrikts Sachsen (2022) einen Aufbau aus zwei Handfunkgeräten, die über ein Audiokabel gekoppelt sind und mit Akku autark laufen.
Dasselbe Papier nennt ein solches Crossband-Relais ausdrücklich eine Relaisfunkstelle. Arbeitet es unbesetzt, gilt deshalb dasselbe wie für jedes Einsatzrelais: Es braucht eine Zuteilung für den Standort, siehe Relaisfunk. Offen ist, wie ein Fahrzeug einzuordnen ist, in dem ständig ein Funkamateur sitzt. Das klärt man vorher mit der Bundesnetzagentur. Ein Crossband-Relais verhindert außerdem keine Überlagerungen: Senden zwei Handfunkgeräte gleichzeitig, kommt keines durch.
Grenzen
- mit Handfunkgeräten im Kreisgebiet selten ausreichend; auch innerhalb einer Gemeinde kann es schon schwierig werden, abhängig von Sendeleistung, Antennen und Gelände
- Außenstellen hören sich gegenseitig nicht und überlagern sich
- für Strecken in Gemeinde und Kreis zuerst ein Relais; erst darüber hinaus ist NVIS die Alternative
So messen Sie die eigene Reichweite
- Feste Standorte der späteren Gegenstellen wählen.
- Mit Handfunkgerät, Fahrzeugantenne und erhöhter Antenne nacheinander testen.
- Pro Versuch Standort, Antennenhöhe, Leistung und Verständlichkeit festhalten.
- Ergebnis in den Kommunikationsplan übernehmen: Welche Strecke geht direkt als Rückfallweg, welche nur über das Relais?